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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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75
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XXIII. Erfindungen. Johann Gutenberg. 1455. 75

in Klöstern damit, daß man die Schrift älterer Pergamentstücke, derenInhalt nicht mehr für wichtig gehalten wnrde, ganz oder zum Teil aus-kratzte und den Raum zwischen den früheren Zeilen wieder beschrieb.b) Im Mittelalter waren wenige der Schreibkunst kundig; es wnrdeüberhaupt wenig geschrieben; deshalb konnte das Pergament dem Bedarfgenügen. Wenn aber die Schreibkunst allgemein werden sollte, so mußteein Schreibstoff erfunden werden, der nicht bloß billig, sondern auch leichtund in großer Masse zu beschaffen war. Diesen beiden Bedingungen ent-sprach das Papier. Die Chinesen sollen die Bereitung desselben er-funden haben. Erst im 14. Jahrhundert hat es sich im Abendland ein-gebürgert. Wie heutzutage, so bereitete man schon damals das Papieraus Hadern oder Lumpen. Diese wurden in kleine Teilchen zerhackt, zueinem Brei gekocht und zu Papier gebleicht und geglättet.

4. Gvsrndung der Duciidrurtrerkunst. a> Bis

zum fünfzehnten Jahrhundert gab es nur geschriebene Bücher; wer einsolches haben wollte, mußte es sich um schweres Geld abschreiben lassen.Besonders verlegten sich die Mönche in den Klöstern auf die Beschäftigungdes Abschreibens und brachten es darin zu staunenswerter Fertigkeit. IhreSchrift war nicht bloß sehr sauber und schön, sondern auch mit hübschenZeichnungen geschmückt. Die Anfangsbuchstaben wurden auf das Präch-tigste ausgemalt; der Text ward mit Bildern veranschaulicht und derRand mit kunstreichen Verzierungen verschönert. Doch konnten nur reicheLeute sich Bücher verschaffen; denn ein einziges Buch kostete Hunderte,ja Tausende von Franken. d) Da begann man in hölzerne Tafelnund Täfelchen allerlei Bilder, namentlich von Heiligen, zu schnitzen, be-strick) die also verfertigte Platte mit Farbe und drückte sie wiederholtauf Pergament oder Leineupapier ab. Bald fügte man dem Bilde denNamen oder Bibelsprüche bei. Zuletzt wurden ganze Bücherseiten in Holzausgestochen und abgedruckt. Doch war diese Vervielsältigungsart derSchrift sehr umständlich und schwerfällig; denn znm Drucke eines Bucheserforderte es gerade so viele Holzplatten, als es Seiten hatte. Zu andernDrucken aber ließen sich die benutzten Platten nicht verwenden. o) Diefolgenschwerste Änderung brachte nun der Mainzer Edelmann JohannGutenberg. Über sein Leben weiß man sehr wenig. Er kam im Jahre1436 aus den Gedanken, die Buchstaben einzeln für sich aus Holz zuschneiden, aus ihnen Wörter, Sätze, ja ganze Seiten zusammen zu setzenund diese mit einer Schnur zu umbinden. Nach dem Drucke konnte erdie Lettern oder Buchstaben wieder auseinander nehmen und nach Be-dürfnis anders zusammen stellen. Gutenberg erfand also beweglicheLettern. Darin hauptsächlich beruht sein unsterbliches Verdienst. Dadie hölzernen Lettern leicht zersprangen, ersetzte er sie durch bleierne, späterdurch zinnerne. Gutenberg erfand auch die Buchdruckerpresse, ver-mittels welcher sich die mit Schwärze bestrichene Form oder Platte gleich-mäßig auf dem Papier abdruckt. <I) Nach zwanzigjähriger Abwesenheit