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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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XXVI. Reformation. Martin Luther. 1517.

dieser Schriften. Während viele bis dahin die Erde nur als ein Jammer-thal angesehen hatten, das man meiden müsse, lenkten sie den Blick wiederauf den Menschen und das allgemein Menschliche (Humane). Erasmusvon Rotterdam gilt als der größte der Humanisten; er hat in Baselund anderwärts viele griechische Werke herausgegeben und selber Büchergeschrieben. e) Aber noch höher als die Wissenschaften stiegen dieKünste, ganz besonders in den italienischen Städten, wie Florenz,Venedig, Rom und Mailand. Da erhoben sich die prächtigstenDome und Paläste, geschmückt mit Statuen und Malereien; auch dieeinfachsten Geräte verrieten künstlerischen Geschmack. Die griechische Kunstlebte in neuer Gestalt wieder auf (Renaissance-Wiedergeburt). Die größtenKünstler der italienischen Renaissance waren Leonardo da Vinci(spr. tschi) f 1519, dessen schönstes Werk ein Gemälde, das heilige Abend-mahl darstellend, ist; Michelangelo (spr. andschelv) 's 1564, Maler,Bildhauer und Architekt, Erbauer der Kuppel der Peterskirche in Rom,des schönsten Gotteshauses; Raphael st 1520, der als Maler noch vonkeinem übertroffen wurde. Deutschlands größte Maler waren damalsHolbein, der lange in Basel lebte, und A. Dürrer in Nürnberg. DasAufblühen der Künste und Wissenschaften bewog Ulrich von Hütten zumAusruf:O Jahrhundert! Die Studien blühen! Die Geister erwachen!Es ist eine Lust zu leben!"

XXVI. Reformation. Martin Luther.

1517.

1. Ursachen dev Reformation. - ri) Seit Jahr-hunderten war die Kirche von ihrer früheren Reinheit abgewichen. DiePäpste strebten nach irdischer Macht und vernachlässigten darob ihr geist-liches Amt. Nicht selten gab es gleichzeitig zwei Päpste, die sich in denBann thaten. Allgemein klagte man über den Stolz, die Üppigkeit unddie Habsucht der Bischöfe, welche die weltlichen Fürsten zu überbietensuchten. Groß war der Müßiggang, die Unwissenheit und Unsittlichkeitvieler Geistlichen und Mönche. Ii) In die Lehre der Kirche hattensich allerlei Mißbräuche eingeschlicheu. Wohl einer der schlimmsten Mar-der Ablaßhandel. Bei dem großen Haufen hatte sich allmählich derGlaube festgesetzt, daß man sich für Geld von jeder Sünde loskaufenkönne. Diese irrige Meinung wurde nicht energisch bekämpft, sondern durchdie Geldgier der Päpste unterstützt. 6) Das Volk stak im krassestenAberglauben und mancherorts in der bittersten Armut; schwer seufzte esunter dem Drucke weltlicher und geistlicher Fürsten und litt unter derübergroßen Zahl von Bettlern, Feiertagen und Klöstern. < 1 > Wohlgaben sich die Konzilien oder Kirchenversammlungen, z. B. in Konstanz