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XXVI. Reformation. Martin Lnlhrr. 1517.
Studium der heiligen Schrift; allein die anderen Mönche tadelten ihn und sagten:„Mit Betteln und nicht mit Studieren dient man dem Kloster." Luther mußte sichden geringsten Arbeiten unterziehen: er kehrte die Zellen aus, lautete die Glocke,hütete die Thür und zog barfuß mit dem Bettelsack in der Stadt, wo man ihn alsgelehrten Magister kannte, umher, um Brot, Eier, Würste und Geld für das Klosterzusammenzubetteln. Gleichwohl fand er den Frieden für seine Seele nicht; dochtröstete ihn der Vorsteher des Klosters. 1507 erhielt Luther die Priesterweihe. —fj Im Jahre 1508 berief ihn der Kurfürst von Sachsen, Friedrich der Weise, andie ncugegründete Hochschule zu Wittcnberg. Als Professor an derselben undals Prediger an der Schloßkirche erregte Luther gewaltiges Aufsehen; denn er redetevon Herzen und führte eine sehr packende, anschauliche, oft derbe Sprache; für dasäußere bei seinen Reden hatte er den Grundsatz: Tritt keck auf, thu s'Maul auf,hör bald auf. — 1511 unternahm er eine Reise nach Rom. Bald nach seinerRückkehr wurde er Doktor der Gottesgelehrsamkeit.
Martin Luther.
2 . Deginrr der Reformation. 1517 — ri) Um jeneZeit schrieb der prachtliebende Papst Leo X. einen vollkommenen Ablaßaus, um dadurch die Mittel zu erhalten, in der Hauptstadt der Christen-heit die Peterskirche zu vollenden, die alle andern an Schönheit über-strahlen sollte. In Sachsen bot Tetzel den Ablaß in unwürdiger, markt-schreierischer Weise feil; er hatte alle Sünden tariert: für einen Meineidforderte er nenn, für einen Mord acht Dukaten. Er gab auch Ablaßfür erst noch zu begehende Sünden. Damit zwar soll er sich selberbestraft haben; denn einst erhielt ein Ritter um 30 Thaler für einennoch zu begehenden Straßenraub einen Ablaßbrief; dann aber raubte er