XXVI. Reformation. Martin Luther.. 1517. 87
in einem Walde Tetzel selbst die Geldkasse, und als ihn dieser in dieHölle verfluchte, wies er ihm lachend den Ablaßbrief vor. jMs nunTetzel in die Nähe Wittenbergs kam und bereits einige BeichtkinderLuthers mit Ablaßzetteln prahlten, trat dieser heftig gegen ihn auf. —I») Am 31. Oktober 1517, am Tage vor Allerheiligen, schlug Luther95 Thesen oder Sätze in lateinischer Sprache an die Hauptthüre derSchloßkirche zu Wittenberg, in welchen er gegen den Mißbrauch des Ab-lasses eiferte und die Gelehrten zur Disputation, d. i. öffentlichen Be-sprechung aufforderte. Diese Thesen verbreiteten sich wie ein Lauffeuerdurch gauz Deutschland. Tetzel wütete gegen ihn; denn schon mußte eran einigen Orten leer und beschimpft abziehen. Der Gedanke, sich vonder Kirche zu trennen, lag Luther noch ganz fern. — e) Er wurde voneinem Abgesandten des Papstes aufgefordert, zu widerrufen, aber daswollte er nicht. Der streitbare und redegewandte Doktor Eck von Jngol-stadt griff den Reformator an. Bald darauf kamen die beiden inLeipzig zu einer Disputation zusammen; sie gerieten hart aneinander.Eck eilte nach Rom, um beim Papste eine Bannbulle gegen Luther' aus-zuwirken; er erreichte seinen Zweck; denn jener ließ 41 Sätze in LuthersSchriften als ketzerisch erklären und allen gebieten, den Ketzer, insofern ernicht widerrufe, fest zu nehmen und dem apostolischen Stuhl zu über-liefern. — <1 Eck reiste mit der Bannbulle nach Deutschland zurück undließ sie überall bekannt machen; doch die Reformation war schon soweit gediehen, daß an vielen Orten die Bekanntmachung untersagt wurde.Da that Luther einen entscheidenden Schritt: In Anwesenheit der Stu-denten, Professoren und der Bürgerschaft von Wittenberg verbrannteer 1520 die päpstliche Bulle. Damit hatte er die Brücke zur Rück-kehr abgebrochen.
3. Kirther arrf dem Reichstage m Marms.
1521. — rr) Luther galt nun als Ketzer, und der Kaiser Karl V. wurdeaufgefordert, die Strafe an ihm zu vollziehen. Luther sollte sich auf demReichstag zu Worms verantworten. Freunde warnten den Refor-mator, nach Worms zu gehen und erinnerten ihn an das Schicksal desJohannes Huß. Luther aber sagte: „Und ob sie zwischen Wittenberg undWorms ein Feuer anzündeten, das bis zum Himmel ginge, so wollte ichdoch mitten hindurch gehen." Am 4. April 1521 fuhr er, begleitet voneinem Ordensbruder und zwei Freunden, auf einem kleinen, von zweiPferden gezogenen Wägelein aus Wittenbergs Thoren hinaus. Voranritt ein kaiserlicher Herold. Luthers Fahrt glich einem Triumphzuge;jedermann wollte den mutigen Mönch sehen. Unterwegs warnte man ihnaufs neue; er aber sagte: „Wenn so viel Teufel in Worms wären, alsZiegel auf den Dächern, so wollte ich doch hinein." Hunderte begleitetenseinen Wagen. — I») Als er am 16. April vor Worms eintraf, wardas Gedränge so groß, daß er kaum hindurch kam. Er wurde schon fin-den folgenden Tag vor den Reichstag geladen. Vor der Masse des