98 XXIX. Der dreißigjährige Krieg. 1618—1618.
die Günstlinge des Kaisers wurden mit den Gütern der verfolgten Pro-testanten beschenkt. Natürlich wurde Friedrich V., „der Winterkönig,"seiner königlichen Würde entsetzt und in die Acht erklärt. Die Union löstesich aus. Seit dieser Zeit blieben die Böhmen in ihrer großen Mehr-heit katholisch; ihre politische Bedeutung büßten sie fast vollständig ein.— e) Jetzt sollte der geächtete Friedrich auch noch seiner Pfalz beraubtwerden. Schon rückte der glaubenseisrige Tilly mit seinen Scharen heran.Da warf sich der verwegene Graf Ernst von Mansfeld zum Ver-teidiger des Geächteten auf. Er wurde aber mit dem Markgrafen GeorgFriedrich von Baden gänzlich besiegt, so daß beide zusammen einen Dritt-teil ihrer Mannschaft einbüßten. Der Markgraf verlor überdies eine Mil-lion Thaler, die er sich auf zwei Wagen hatte nachführen lassen. Nunergriff Christian von Braunschweig in abenteuerlicher Liebe zu derGemahlin des Geächteten, deren Handschuh er auf seinem Hute trug, dieWaffen. Seine zuchtlosen Scharen brandschatzten besonders die Geistlich-keit in Westfalen. In Paderborn raubte er unter anderm auch zwölfsilberne Bildsäulen der Apostel und schickte sie mit den Worten in dieMünze: „Was steht ihr hier müßig? Hat doch der Herr gesagt: Gehethin in alle Welt!" Am gleichen Orte fiel er der goldenen, 40schweren Statue des heiligen Liborius um den Hals und dankte diesem,d aß er auf ihn gewartet habe. Auch Christian von Braunschweig wurdegeschlagen, so daß ganz Süddeutschland zu den Füßen der Liga lag.
4. Der? dänische Krieg. 1625—1630. — n.) Jetzt warfsich Tilly nach Norddeutschland, schloß die lutherischen Kirchen, verjagtedie Geistlichen und übte Gewalt. Deshalb verbanden sich die Protestantenmit Christian IV., dem König von Dänemark. Da erstand ihnen einnoch viel gefährlicherer Feind, als Tilly war. Bis dahin hatte der Kaiseralle Erfolge nicht mit eigenen Heeren, sondern mit denen der Liga er-rungen. Er fühlte sich deshalb von ihr abhängig. Sehr gelegen kam ihmdarum eines Tages das Anerbieten eines Mannes, auf eigene Kosten einHeer anzuwerben, wenn ihn der Kaiser mit dem Oberbefehl betraue. —ist) Es war Albrecht von Wallen stein oder Waldstein. Von luthe-rischen Eltern 1583 in Prag geboren, trat er, früh verwaist, zum Katho-lizismus über, wurde von Jesuiten in Olmütz erzogen und unternahmnachher viele Reisen. Durch Erbschaft, Heirat, besonders aber durch denspottbilligen Ankauf von eingezogenen-Gütern vertriebener böhmischer Pro-testanten wurde er unermeßlich reich. Man schätzte seinen Grundbesitz auf70 Millionen Franken. Der Kaiser ging auf sein Anerbieten ein undernannte ihn später zum Herzog von Friedland. Wallenstein ließ nunseine Werbetromnieln rühren; große Scharen liefen ihm zu. Die Leuteglaubten später, der lange, hagere, schweigsame Mann mit dem gelben,finsternH Gesicht und den stechenden Augen habe den Sieg durch einenBund mit !den dunkeln Mächten für immer an seine Fahnen gekettet.In kurzer Zeit war ein Heer von 25,000 Mann beisammen, mit dem er