100 XXIX. Der dreißigjährige Krieg. 1018—1618.
Schweden wacker zur Wehr. Sie schlug jeden Angriff zurück. Wollen-stem ergrimmte über den hartnäckigen, ungewohnten Widerstand. Erprahlte: „Und wenn die Stadt mit Ketten an den Himmel gebundenwäre, so wollte ich sie doch erobern." Doch nach sechsmonatlicher Be-lagerung und einem Verluste von 12,000 Mann mußte er unverrichteterSache abziehen. — e) Als der Kaiser 1630 in Regensburg einen Kur-fürstentag abhielt, häuften sich die Klagen über Wollenstem dergestalt,daß, namentlich auf Betreiben Maximilians von Bayern, seine Absetzungbeschlossen wurde. Scheinbar gelassen fügte sich Wallenstcin dem Be-schluß, beschenkte sein Heer reichlich und entließ es. Er zog sich auf seineGüter in Böhmen zurück und lebte hier in unerhörter, fürstlicher Pracht.
5. Den sLhrVedrj'tckje Kvieg. 1630—1632. — rr) End-lich erschien den schwerbedrängten Protestanten ein Retter; der Schweden-könig Gustav Adolf kam ihnen zu Hilfe. Am 24. Juni 1630 landeteer an der Küste Pommerns. Er stand damals in seinem 36. Lebens-jahre und war eine schöne, gebieterische Gestalt von ungewöhnlicher Größe.Er verfügte über eine hohe Bildung, verstand er doch etwa zehn Sprachen.Bereits hatte er sich in den Kriegen mit Polen Land und Ruhm er-worben. Die bedrohliche Machtentfaltung des Kaisers an der Ostsee, dieVerjagung seiner Neffen, der Herzöge von Mecklenburg, die Hoffnung,Eroberungen zu machen, vor allem aus die Not seiner Glanbensbrüdertrieben ihn nach Deutschland. Wie ganz anders waren doch seine Truppenals das Raubgesindel der andern Fürsten; denn bei ihnen herrschte diestrengste Zucht; Gotteslästerung, Raub, Spiel und Zweikampf warenuntersagt. — d) Gustav Adolf fand den erhofften Anschluß der deutsch-evangelischen Fürsten nicht. Die Kurfürsten von Brandenburg und Lachsengestatteten ihm nicht einmal den Durchpaß durch ihre Lande, da sie überseine Absichten nicht im klaren zu sein vorgaben, übrigens auch den Zorndes Kaisers fürchteten. Am kaiserlichen Hofe in Wien sprach man sehrverächtlich von dem neuen Feinde. Einige nannten ihn den „Schneekönig,"der bei seinem Marsch nach Süden zerschmelzen werde. Eine Folge deszögernden Verhaltens des Kurfürsten von Brandenburg war die Erobe-rung Magdeburgs durch Tilly am 20. Mai 1631. Als sich dieBürger der Feinde nicht mehr erwehren konnten, zündeten sie ihre Stadt anzwölf verschiedenen Orten selbst an, damit sie jene nicht zum Bollwerk gegendie norddeutschen Protestanten machen könnten. Die entsetzlichsten Greuel,wie sie einst Troja, Karthago und Jerusalem erlitten, kamen unter denAugen Tillys vor, ohne daß dieser Einhalt gebot. — e) Endlich ge-statteten Brandenburg und Sachsen Gustav Adolf den Durchpaß. BeiBreitenfeld, unweit Leipzig, stieß der Schwedenkvnig auf Tilly undbrachte ihm eine entscheidende Niederlage bei. Mit knapper Not entginghier Tilly dem Tode, der ihn doch bald nachher erreichen sollte. Währendnun die Sachsen in Böhmen einfielen und Prag eroberten, wandte sichGustav Adolf nach dem Rhein und durchzog, überall von den Protestanten