XXX. Die englische Revolution. Eromwell. 1640—1660. 103
glück hatte die Parteien zu keinem Resultat kommen lassen. Endlich abernahmen Fürsten und Völker Vernunft an und schlössen Frieden. Durch diesenerhielt Brandenburg Hinterpommern, Magdeburg u. a. O., Schweden Vor-pommern, Rügen u. a. O., Frankreich das Elsaß ohne die Reichsstädte.Die einzelnen deutschen Fürsten errangen Landeshoheit, die ihnen gestattete,ganz nach Willkür zu schalten. Die Schweiz und die Niederlande wurdenals selbständige Staaten anerkannt. Katholiken und Protestanten, dieReformierten mit eingeschlossen, erhielten Religionsfreiheit und gleicheRechte; doch ist Religionsfreiheit nicht so zu verstehen, als ob jeder glaubenkonnte, was er wollte, sondern bloß die Landesfürsten genossen diese Frei-heit ; ihre Unterthanen mußten die Religion ihrer Herren annehmen oderauswandern. — 1») Deutschland war durch die dreißig Jahre vollSchlachten, Mord, Brand und Seuchen fast zur Wüstenei geworden.Seine Einwohnerzahl soll von 24 Millionen auf 12 gesunken sein.Einzelne Orte wurden besonders stark betroffen. In Böhmen und Mährenwaren über 1000 blühende Dörfer verschwunden. Die Bevölkerung Böhmenszählte statt vier Millionen nur noch 800,000. Augsburg, das vor demKrieg 90,000 Einwohner gezählt, hatte nach demselben nur noch 6000.Große Ortschaften waren ganz menschenleer geworden. Laudbau, Handel,Gewerbe, Künste und Wissenschaften lagen darnieder. Roheit und Ver-wilderung hatten in erschreckender Weise zugenommen.
XXX. Die englische Revolution. Lronnvell.
1640—1660.
3.) Aus der ältern Geschichte Englands sind zwei Thatsachen von der größtenBedeutung: die Verschmelzung des normannisch-französischen Volksstammes mit demangelsächsischen und die Erkümpfung des großen Freiheitsbriefes. Die Angeln undSachsen, welche sich zur Zeit der Völkerwanderung in Britannien niedergelassenhatten, wurden von den Normannen schwer bedrängt. Letztere waren ein germanischesVolk, das in Schweden, Norwegen und Dänemark wohnte. Von hier aus unter-nahmen sie auf kleinen leichten Schiffen jedes Jahr Raubzüge in ferne Länder,namentlich nach England, zogen auf Flüssen tief ins Land hinein und verbreitetenAngst und Schrecken. Ein Teil erhielt Wohnsitze in Nordsrankreich und nahm hierfranzösische Sprache und Sitten an. — b) Im Jahre 1066 zog Wilhelm, derHerzog der Normandie, mit 60,000 Mann über das Meer und erwarb sich durchblutigen Kampf die englische Königskrone. Er nahm einen großen Teil des Landesfür sich und seine Ritter in Besitz. Die Angelsachsen ertrugen seine Herrschaft mitWiderwillen. Jahrzehnte lang war England zweisprachig. Hof und Beamte redetenfranzösisch, das Volk angelsächsisch. Allmählich verschmolzen sich die beiden Sprachenund daraus entstand das heutige Englisch. Aber nicht bloß die Sprache, sondern dasganze Wesen der beiden vermischte sich. So besitzt jetzt der Engländer die Unter-nehmungslust des Franzosen und die zähe Ausdauer des Deutschen. — o) Im Jahre1215 erzwäng England von seinem nichtswürdigcn König Johann ohne Land dengroßen Frciheitsbrief, die Mag na Charta, wovon drei Bestimmungen besondershervorgehoben werden sollen. 1. Außerordentliche Gelderhebungeu (Steuern, Zölle rc.fbedürfe» der Bewilligung des Parlaments. 2. Kein freier Mann soll ohne richterlichen