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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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XXXI. Ludwig XIX. 16431713.

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900 Millionen Franken nach unserem Geldwert. Er schmückte diesesSchloß mit märchenhafter Pracht aus. Es enthielt über 100 Säle, ge-ziert mit den kostbarsten Möbeln und mit Gemälden, die Ludwigs Siegeverherrlichten. Zur Erstellung des wunderschönen Parkes ließ Ludwigzehn Dörfer niederreißen. Gradlinige Alleen mit künstlich zugestutztenBäumen, schattige Boskets oder Lnstwäldchen, zierliche Tempelchen, buschigeLauben, lauschige Grotten, kunstvolle Springbrunnen, kleine Seen mitreizenden Jnselchen, alles geschmückt mit Statuen, haben die ehemaligeÖde in ein Paradies umgeschaffen. Ludwig XIV. kümmerte sich wenigdarum, daß bei diesen Bauten etwa 30,000 Menschen infolge der unge-sunden Luft das Leben verloren. o) In diesem feenhaften Schlosse löste einglänzendes Fest das andere ab. Wer den Hof gesehen, hieß es, der habedas Schönste der Welt gesehen. Alle Feste dienten jedoch nur zur Ver-herrlichung des Königs. Er ließ sich sehr gern KönigSonne" nennen;denn wie sich alles nur um ihn bewegte, so sollten auch alle ihre Stel-lung, ihre Freuden, ihr ein und alles nur ihm zu verdanken haben. Wo-hin der König schaute, da sah er immer nur sich. Die hohen Wand-spiegel, die Gemälde, die Statuen zeigten ihm sein erhabenes Bild.

<I) Tausende von Höflingen umgaben ihn und suchten einander inSchmeicheleien gegen den König zu überbieten. Als Ludwig einst beimHerzog von Antin zu Gast war, äußerte er am Abend, daß ihm diegroße Allee von Bäumen mißfalle, da sie die Aussicht verdecke. Währendder Nacht ließ der Herzog sie umhauen und antwortete ani Morgen demerstaunt fragenden König:Eure Majestät haben sie verdammt; darumstehen sie nicht mehr." Kaum ein Franzose war noch so mutig undaufrichtig wie der Dichter Boileau, der dem Könige höflich, aber ohneSchmeichelei, die volle Wahrheit zu sagen wagte. Als sich nämlich derMonarch einst auch in Versen versuchte und jenen um sein Urteil be-fragte, antwortete er ihm:Nichts ist Eurer Majestät unmöglich; Siewollten schlechte Verse machen, und es ist Ihnen vortrefflich gelungen."

6) Auch in der Tracht führte Ludwig XIV. Neuerungen ein. Derkurze Mantel wich dem Frack, das Wams einer langen, mit Borten undBändern reich besetzten Weste. Die Hose reichte nur bis zum Knie, woseidene Strümpfe sie ablösten. Als der König eine Glatze bekam, wurdekünstlicher Haarschmuck, die sogenannte Perücke, Mode. Bald wallte einganzer Lockenwald über den Rücken und die beiden Seiten des glattrasierten Gesichtes hinunter. Als man nicht mehr genug blondes Haarzu Perücken herbeischaffen konnte, suchte man dunkles mit Puder, d. i.mit seinem, weißem Mehlstaub zu färben. Die natürliche Gesichtsfarbekonnte man vor roter und weißer Schminke, Schönpflästerchen rc. garnicht mehr erkennen. L) Die Etikette oder Hofsitte schrieb für jedeHandlung die Kleidung, Begrüßung und Bewegung aufs genauste vor.

2. Staatsverwaltung. a) Ludwigs XIV. Grundsatzwar: Der Staat bin ich! Er allein verfügte über die Finanzen, das