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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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112
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Il2 XXXI. Ludwig XIV. U,-t:i I71i'>.

Heer und die Gerichte. Alles staatliche Leben gipfelte nicht bloß in ihm,sondern erhielt von ihm allein Bedeutung. Alle hohen Beamten wurdendeshalb vorn König gewählt und waren nur von ihm abhängig. Schwerlich wäre es ihm möglich gewesen, sein Ziel zu erreichen, wenn ihmnicht bedeutende Minister zur Seite gestanden hätten. Lbschon diese dieHauptsache besorgten, so mußten sie doch thun, als ob es der Königgethan hätte, damit er allein den Ruhm davon trage. I» Wohl seingrößter Minister war Colbert, der Sohn eines Kaufmanns zu Rheims.Er hob die Binnenzölle aus. Er ging von dem Grundsatz aus, allesim Lande selbst zu erzeugen, um es nicht vorn Auslande kaufen zumüssen; darum errichtete er an der Grenze hohe Zölle und zwar nicktbloß für die Einsuhr, sondern auch für die Ausfuhr, so daß die Bauernihr Getreide und ihren Wein im eignen Lande selbst zu billigen Preisenverkaufen mußten. Eolbert ist auch der Gründer der großen französischenFlotte; er ließ Hunderte von Schiffen bauen. Die vorhandenen Kriegs-häfen wurden ausgebessert und neue angelegt. Zu seiner Zeit wurde auchder Kanal du Kuli zwischen dem mittelländischen Meere und dem atlan-tischen Ozean erstellt. <;) Erfolgreich wirkte auch Panban, derFestuiigsbaumeister. Er hat nicht weniger als WO alte Festungen aus-gebessert, 33 neue erbaut und 53 Belagerungen glücklich zu Ende geführt.Dabei genügte die Zirkularbefestigung mit Wall. Graben und Ringmauernicht mehr, sondern die Seite» wurden meist zickzackliuig so gebrochen,daß immer ein ausspringender Winkel mit einem einspringenden abwechselte. <1) Entsetzlich seufzte das Bolk unter dem Steuerdruck. Die Bauernhatten oft nichts zur Nahrung als Wasser und Wurzeln: ofk sah mansie das Gras der Wiesen und die Rinde der Bäume essen. Fast keinJahr verging ohne Aufstand; doch mißglückte jeder zum Schaden der Ur-heber. Die Bauern wurden zu Hunderte» aufgeknüpft. Welch Unterschiedzwischen der Pracht des Hofes und dem Elend des Landvolkes!

3. Kiirrjte rrnd 1Vii)e rrcis'terr. u) Das ZeitalterLudwigs XIV. heißt das goldene der französischen Litteratur. Die Pracht-liebe des Königs gab den Künstlern Gelegenheit, ihre Talente zu zeigen;doch mußten sie ihre Kunst in den Dienst der- Monarchen stellen. Dichter,Bildhauer, Architekten und Maler sollten die großen Thaten Ludwigsin ihren Werken verewigen. >>) Keiner hat auf dem Gebiete desLustspiels Größeres geleistet als Moliöre 1673). Seine Komödiensind unübertrefflich. Er griff irgend eine Verkehrtheit des menschlichenTreibens heraus, z. B. den Geiz und führte sie in ihrer ganzen Lächer-lichkeit vor. Damit wollte Molare nicht bloß belustigen, sondern vielmehr bessern. Ihm voraus ging Corneille; ihm zur Seite steht JeanRacine 16W), der seine Trauerspiele in unvergleichlich schönenVersen geschrieben hat. k) Der König vermehrte auch die öffentlicheBibliothek in Paris, so daß sie bald die reichhaltigste Europas wurde;sodann vergrößerte er die Akademie und unterstützte die Gelehrten, auch