120 XXXIII. Friedrich der Große. 1710—1786.
sanier Haushalter und ein guter evangelischer Christ werden müsse. Schonsehr frühe mußte sich Friedrich in den Waffen üben. Doch bald fandder aufgeweckte Knabe diese immerwährenden Exercitien geisttötend undlangweilig. Er las gerne Bücher und kleidete sich auch gern modisch.Sein Vater war darüber wenig erfreut; er konnte sich gar nicht denken,daß ein tüchtiger Soldat sich etwas aus den Büchern machen könne.Er behandelte ihn von da an hart und bezeugte ihm sogar in Gegen-wart von Fremden sein Mißfallen. Fritz übte sich auch im Flötenspiel.„Fritz ist ein Querpfeife! und Poet," sagte der König, „er macht sichnichts aus den Soldaten und wird meine ganze Arbeit verderben." Fritzdurfte sich nur noch heimlich feinen Lieblingsbeschäftigungen hingeben. Alsder Vater gar noch vernahm, daß er Schulden gemacht habe, wuchs seineErbitterung, da er fürchtete, er werde in ihm nicht bloß einen schlechtenSoldaten, sondern einen ebenso schlechten Haushalter bekommen. Er miß-handelte ihn sogar mit Stockschlägen, um ihn zu bestimmen, der Kronezu entsagen. — d) Endlich faßte Fritz den Entschluß, sich der unwür-digen Behandlung durch die Flucht zu entziehen. Er zog zwei Freunde,die Lieutenants von Keith und von Katte, ins Geheimnis. Fritz wollteseinen Plan bei Gelegenheit einer Reise seines Vaters an den Rhein, aufder er ihn begleiten mußte, ausführen. Wie er nun in französischerKleidung um Mitternacht davonreiten wollte, wurde er von einigen Offi-zieren, denen dieses auffiel, angehalten, und der ganze Plan ward durcheinen Pagen und durch einen Brief, der an die unrichtige Adresse kam,dem Könige verraten. Schrecklich war dessen Zorn. In seiner Wut zoger sogar das Schwert, um den „Deserteur" (Entlaufenen) zu durchbohren.Der General Mosel fiel dem König in den Arm und rief: „Töten Siemich, Sire, aber verschonen Sie Ihres Sohnes!" Der König ließ ihnhierauf nach Küstrin in schwere Kerkerhaft bringen. Von Keith hatte sichnoch rechtzeitig retten können, während von Katte vor den Augen Fritzensenthauptet wurde. Vorn Fenster aus hatte ihm dieser noch weinend zu-gerufen: „Verzieh mir, mein lieber Katte!" worauf ihm Katte lächelnderwiderte: „Der Tod für einen so liebenswürdigen Fürsten ist süß!"Fritz bat später seinen Vater brieflich um Vergebung; daraufhin erhielter seine Freiheit wieder; doch durfte er noch nicht nach Berlin zurück-kehren, sondern mußte als Kriegsrat in Küstrin arbeiten. — v) Im Jahre1733 verheiratete er sich nach dem Willen seines Vaters, der ihm dasSchloß Rheinsberg bei Ruppin schenkte. Sein Regiment hielt nunder Prinz im besten Stande und gewann dadurch das Zutrauen seinesVaters vollständig wieder. Daneben aber lebte der Kronprinz in heitererGeselligkeit mit Freunden, Gelehrten und Künstlern und gab sich ernstenStudien hin. Kurz vor dem Tode schloß ihn der König mit Freuden-thränen in seine Arme und rief aus: „O mein Gott, ich sterbe zufrieden,da ich einen so würdigen Sohn zum Nachfolger habe!" Schwerlich wäreFriedrich das geworden, was er dann geworden ist, wenn er nicht eineso harte Jugend verlebt hätte.