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und zu ihrem unmittelbaren Nachbar geworden. — b) Gegen die Türkei führteKatharina II. zweimal die Waffen, dehnte dadurch ihr Reich bis zum Dnjestr ausund unterwarf sich die Halbinsel Krim. Als die Kaiserin 1787 Südrußland besuchte,ließ ihr Minister Potemkiu in einiger Entfernung vorn Dnjepr, auf dem sie derHalbinsel zufuhr, in aller Eile Dörfer bauen und festlich aufputzen, um die Zaringlauben zu mache», das Land genieße eines blühenden Wohlstandes, der aber inWirklichkeit durch ihn vollständig vernichtet worden war. Die schönen Dörfer, dieKatharina in der Ferne erblickte, waren nichts anderes als bemalte, an Bäumenbefestigte Bretter. Die Einwohner hatte Potemkin oft mehr als 40 Meilen weitzusammentreiben lassen, um nicht etwa bloß an einem Ort, sondern an sieben, acht,ja zehn verschiedenen Uferorten die glückliche und die Kaiserin besingende Ein-wohnerschaft darzustellen. In ähnlicher Weise bewunderte die Zarin fünf- bis sechsmaldieselben Rinderherden.
XXXH1. Friedrich der Große.
1740—1786.
Vorgeschichte Preussens. — L) Reben Rußland wuchs im 18. Jahr-hundert noch ein anderer Staat zur Großmacht empor, nämlich Preußen. Er hatsich senfkornartig aus der links von der Elbe gelegenen Rordmark gebildet. Albrechtder Bär (1133—1170) überschritt die Elbe und fügte der Nordmark das Gebiet derheutigen Provinz Brandenburg bei. Die Nordmark hieß er Altmark, sich selbstgab er den Titel Markgraf von Brandenburg. Seine Nachfolger gehörten zu denmächtigsten Herrschern Norddcutschlands und zählten auch zu den sieben Kurfürsten.1415 wurden die Ho h en z o l lern Markgrafen von Brandenburg. Nicht nur habensie sich bis auf den heutigen Tag daselbst behauptet, sondern haben ihrem Hausesogar die Königs- und Kaiserkrone erworben. — b) Brandenburg nahm unter Frie-drich Wilhelm, dem großen Kurfürsten (1640—1688), den mächtigsten Auf-schwung. Im westfälischen Frieden (1648), erhielt er Hinterpommern, Preußen undandere Gebiete. Wie die Nordmark als Wiege des preußischen Staates angesehenwird, so der große Kurfürst als dessen Begründer. Sein Nachfolger, der pracht-liebende Friedrich III. (1688—1713), erweiterte das Reich noch mehr und ließ sicham 18. Januar 1701 in Königsberg zum König von Preußen krönen und hieß alssolcher Friedrich I. Damit hatte der Staat die zweite Taufe erfahren. Wie dieNordmark in Brandenburg, so war Brandenburg in Preußen aufgegangen. —e) Friedrich Wilhelm I. (1713—1740), der Vater Friedrichs des Großen, wor-ein ordnungsliebender, sparsamer nnd frommer, aber roher, geiziger und leidenschaft-licher Fürst. Er hielt auf strenge Mannszucht und gilt als der Begründer desstrammen und schneidigen Wesens des preußischen Leeres. Wie er selbst ein fleißigerArbeiter war, so verlangte er auch von allen Beamten größte Pflichttreue. DenPotsdamer Thorschreiber, der als Langschläfer die Bauern bisweilen warten ließ,prügelte der König einst eigenhändig mit den Worten: „Guten Morgen, Herr Thor-schreiber !" zum Bette hinaus. Bon den hundert Kammcrherren seines Vaters behielter nur noch zwölf in seinem Dienste. Am meisten Freude hatte er an seinen Sol-daten, die er seine „lieben, blauen Kinder" nannte. Ganz besonderes Vergnügenempfand er an seinem Potsdamer Lcibregiment, das aus lauter riesengroßen Sol-daten bestehen mußte. Fremde Könige konnten dem Föchten keine größere Freudemachen, als wenn sie ihm einige „lange Kerls" schickten.
1. Friedrich der GroHe ais Kronprinz. —
K) Friedrich der Große wurde 1712 zu Berlin geboren. Der Königschärfte seinen Erziehern ein, daß derselbe ein tapferer Soldat, ein spar