XXXI». Friedrich der Große. 1710 -178«;. >23
einen großen Aufschwung. In der Hauptstadt gründete er die königlicheBank, von welcher die Kaufleute zu billigem Zinsfuß Geld erhielten. Inden Provinzen bildeten sich zu ähnlichem Zwecke landschaftliche Kredit-vereine. Die Erstellung von Kanälen förderte den Verkehr. — U) Friedrichgalt auch als gerechter Richter. Schon bei seinem Regierungsantrittschaffte er die Folter ab. Unmittelbar nach dem Friedensschluß erließ erdas „General Landschul-Reglement," worin er allen Eltern beiStrafe gebot, ihre Kinder vom 5. bis zum 13. Jahre in die Schule zuschicken, „um geschicktere und bessere Unterthanen zu erziehen." Alleinwegen Armut und Trägheit konnte das Reglement nur in wenig Ge-meinden durchgeführt werden. Der König duldete jede Religion; denn erpflegte zu sagen: „In meinem Staat kann jeder nach seiner Fatzon seligwerden." — 6) Als Despot, d. i. als unumschränkter Herrscher bedurfte erso gut wie die andern Fürsten des Kontinents einer centralen Verwaltung,wachsamer Polizei und eines stehenden Heeres. Wie er einerseits unab-lässig für das Wohl des Volkes thätig war, so räumte er ihm ander-seits keinen Anteil an der Regierung ein und handelte nach dem Grundsatz: Alles für das Volk, nichts durch das Volk. Auch hielt Friedrichmit Zähigkeit am Ständeunterschied fest. Der Bauer sollte Bauer, derBürger Bürger bleiben und sich nicht in einen höheren Stand hinaufdrängen wollen. Die Adeligen sollten Gutsbesitzer, Offiziere oder höhereBeamte sein, während er die niedern Aemter, auch Schulmeisterstellen, mirausgedienten, oft invaliden Soldaten besetzte.
4. Mevs snlichlreit Friedrichs des ('»rechen —
«,) Seit Karl dem Großen ist gewiß kein Herrscher seinem Volke so ein-drücklich geworden, wie Friedrich der Große. Nicht bloß seine Siege,sondern seine ganze Persönlichkeit halfen diesen Eindruck erzeugen. Ob-wohl von kleiner, im Alter etwas vorgebeugter Gestalt, war er doch„jeden Zoll" König. Seine feurig ernsten Adleraugen verrieten nicht alleineinen hohen Geist, sondern auch außerordentliche Willenskraft. Wer nureinmal diese Gestalt im blauen Soldatenrock mit den roten Aufschlägen,dem dreieckigen Hut, den hohen Stiefeln, mit dem unvermeidlichen Krücken-stock unter dem Arm gesehen hatte, dem blieb sie in frischer Erinnerungbis an sein Lebensende. — I>) Friedrich lebte meist im Schlosse Sans-fouci bei Potsdam, aber nicht im Müßiggang, sondern in streng geregelterThätigkeit. Er sagte: Der König ist der erste Diener seines Staatesund wird gut genug bezahlt für sein Amt, um ordentlich zu arbeiten."Er stand gewöhnlich sehr früh auf, brauchte zum Aufstehen kein Diener-heer wie Ludwig XIV., sondern frisierte sich sogar selbst. Den ganzenTag war er unausgesetzt thätig; vor 12 Uhr ging er nicht zu Bette. —6) Sein Eifer und seine Pünktlichkeit in allen seinen Arbeiten übertrugsich auch aus die Beamten seines Reiches. Wie er sich als ersten Dienerdes Staates betrachtete, so lernten auch sie alle ihre persönlichen Rück-sichten dem Staatswohl unterordnen. So klein auch ihre Besoldung sein