122 XXX111. Friedrich der Große. 1740—1786.
sich führte, so stürzte es sich darauf, fv daß sich die Offiziere nicht anderszu helfen wußten, als daß sie jene zerschlugen. — 6) Die größte Niederlageerlitt Friedrich 1759 bei Kunersdorf, östlich von Frankfurt a. O. Ver-geblich hatte er die Vereinigung der Russen und Österreicher zu hinderngesucht. Er stand mit 48,000 Mann, die durch angestrengte Märsche er-müdet waren, 80,000 gegenüber. Nach heftigem Kampfe löste sich daspreußische Heer in wilde Flucht auf. Friedrich selbst kam in die größteGefahr. Zwei Adjutanten fielen zu seiner Seite, zwei Pferde wurdenunter feinem Leibe weggeschossen. Eine Kugel würde ihm den Ober-schenkel zerschmettert haben, wenn nicht das goldene Etui in der Westen-tasche sie aufgehalten hätte. Der König war von der Niederlage wiebetäubt. „Will mich denn keine verwünschte Kugel treffen!" hörte manihn wiederholt ausrufen. „Ich halte alles für verloren," schrieb er einemMinister, „den Untergang meines Vaterlandes überlebe ich nicht." Unddoch kam bald wieder Hoffnung und Rettung. Die erschöpften und untersich uneinigen Feinde nützten den Sieg nicht aus- Friedrich konnte seineTruppen wieder sammeln und durch neue verstärken. — k) Wohl bliebendann die englischen Hilfsgelder aus und brachten Friedrich in die größteNot; allein bald stand Rußland vom Kampfe ab. Preußen gewann nocheinige Siege, so daß ihm im Friedensschluß Schlesien nicht mehr be-stritten werden konnte.
3. Staats rrevnraltrrng. — n) Nach dem Friedensschlußgalt es, die Wunden zu heilen, welche der Krieg geschlagen hatte. Denntraurig sah es in Preußen aus: Ganze Gegenden waren verheert, so daßman mitunter weit und breit keine menschliche Wohnung mehr antraf;die Felder waren nicht mehr bestellt worden. Doch Friedrich erwies sichnicht bloß als ein Kriegsheld, sondern als ein ebenso großer Organisator.Millionen von Thalern gab er aus, um die Schäden zu heilen und denWohlstand des Volkes zu heben. Die für den Krieg des Jahres 1763bestimmten Getreidevorräte, Pferde und Geldsummen schenkte er denBauern zur Bestellung ihrer Felder. In wenigen Jahren verwandeltensich die Wüsteneien wieder in blühende Gefilde mit nenerbanten Häusern,wohlunterhaltenen Wegen, gut bestellten Ackern rc. — k) Friedrich warüberhaupt auf Hebung des Landbaus in seinem ganzen Reiche bedacht.Durch Entwässerung der sumpfigen Gegenden an der Oder und derWarthe gewann er mehr als 200,000 Morgen fruchtbares Ackerland.Er förderte den Kartvffelban. Er rief Holländer als musterhafte Vieh-züchter, Pfälzer für Garten- und Obstkultur, Italiener für die Seiden-zucht ins Land. Den Geistlichen, Künstlern und Schullehrern empfahler zu wiederholten Malen das Anpflanzen von Maulbeerbäumen ausKirchhöfen. Er huldigte dem Grundsatz Colberts, alle Bedürfnisse seinesVolks im eigenen Lande zu decken. — v) Zur Förderung der Gewerbeund des Handels legte er viele Manufaktureien an oder unterstütztesolche mit seinem Gelde. Die Leinwandfabrikation in Schlesien nahm