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XXXIV. Der nordcimerikanische Freiheitskrieg. 1776—1788.
in anderer Weise für die Förderung des öffentlichen Wohles thätig.Philadelphia verdankt ihm die Gründung einer Bibliothek, einer Akademie,eines Krankenhauses, der Stadt- und Feuerwache, ihm verdankt sie auchdie Pflasterung und Beleuchtung der Straßen. Dann widmete er sichnaturwissenschaftlichen Studien; er erfand den Blitzableiter. Er wurdeMitglied des höchsten Rates und unterstützte die Engländer im Kampfgegen Indianer und Franzosen. Als dann der Krieg mit England aus-brach, zeigte er sich als einer der mutigsten Verteidiger der RechteAmerikas. Er war der erste, der das Wort Unabhängigkeit öffentlichaussprach. An den Freiheitskrieg steuerte er aus seinem durch Fleiß er-worbenen Vermögen 100,000 Franken bei.
2. MrjcrUpen des Freiheitskrieges. — n) Wäh
rend des siebenjährigen Krieges wurde auch in Amerika blutig gekämpft.England, wohl unterstützt von seinen Kolonien, errang große Vorteile,so daß Frankreich und Spanien fast alle ihre Besitzungen im Gebiet derheutigen Union verloren. Durch diesen Krieg war die englische Staats-schuld sehr gewachsen. England hielt sich deshalb für berechtigt, dieKolonien zu veranlassen, an der Schuldenlast mitzutragen. Das Parlamentbeschloß, in den amerikanischen Kolonien eine Stempelsteuer einzu-führen. Alle Schriftstücke, Zeitungen, Anzeigen, Flugschriften und Kalendersollten dieser Steuer unterworfen sein. Die Amerikaner erhoben sich da-gegen; sie bestritten dem Parlament das Recht, sie zu besteuern, weilihnen daselbst keine Vertretung eingeräumt war. — d) Wohl nahm dieenglische Regierung die Stempelakte zurück, legte aber bald darauf einenZoll auf Thee. Wieder erhob sich ein furchtbarer Sturm dagegen. DieFrauen bildeten Vereine gegen den „schädlichen, giftigen Thee." Dieenglische Regierung ließ in Boston Truppen ausschiffen; es kam zwischenBostoner Bürgern und Militär zu blutigen Zusammenstößen. Im Jahr1773 stürzten etwa 50 als Indianer verkleidete Bostoner auf die Schiffeund warfen 342 mit Thee gefüllte Kisten im Werte von 450,000 Frankenins Meer. Das Publikum schaute mit großer Freude diesem Vorgängezu. Boston wurde dafür hart gebüßt. Sein Hafen ward geschlossen unddie Stadt mit vier Regimentern besetzt. Massachusetts wurde seiner Freiheiten beraubt; die freien Bürgerversammlungen in den einzelnen Ge-meinden wurden verboten, die Wahlen der Ortsvorsteher, Richter, Gene-rale und Geschworenen dem Volke entrissen. — <;) Ganz Amerika erhobsich gegen solche Tyrannei. Der Beginn der Bostoner Hafensperre, der1. Juni 1774, wurde überall als ein Büß- und Fasttag gefeiert. InPhiladelphia wurde den ganzen Tag bei umwundenen Klöppeln geläutet.In Boston stockte aller Verkehr; die Schiffe lagen abgetakelt im Hafenund die Geschäftsleute liefen müßig umher.
3. Gesvg Maskingtsn. — ri) Was England stetsbefürchtet hatte, das trat jetzt ein: eine Vereinigung sämtlicher Kolonien.