180 XXXIV'. Der iwrdamerikmüjche Freiheitskrieg. 1776—1763.
versicherten Näherstehende, zügelte sein feuriges Wesen; sein Mut wurdenie zur Tollkühnheit; seine Vorsicht schlug nie in Furcht um, und seineArbeitsamkeit war ohne mürrisches, ungeselliges Wesen, sein würdevollesBenehmen ohne Stolz, seine Festigkeit ohne Eigensinn. Keine Übellaunetrübte seinen Charakter. Er war immer bescheiden bis zur Demut, freund-lich und milde, immer ernst, niemals zerstreut, immer schlicht, ungezwungenund zugänglich ohne vertraulich zu sein und wirkte durch die Achtung,die er einflößte, niemals drückend. Der Kongreß setzte ihm ein Monats-gehalt von 2500 Franken aus; doch Washington weigerte sich, denselbenanzunehmen. — e) Die Engländer machten einen ebenso erfolglosen An-griff auf Karolina, als die Amerikaner auf Kanada. Hingegen vertriebWashington jene aus Boston, worauf sie sich nach Halifax zurückzogen,um Verstärkungen abzuwarten. Endlich wagte nun auch der Kongreßin Philadelphia den entscheidenden Schritt. Am 4. Juli 1776 beschloßer, daß die vereinigten Kolonien Amerikas freie und unabhängigeStaaten und aller Unterthanenpflicht gegen das britische Reich ent-bunden seien. Mit unbeschreiblichem Jubel wurde diese Erklärung inallen Kolonien begrüßt und gefeiert. Die New-Iorker gössen die wenigeJahre vorher errichtete Statue des damaligen englischen Königs Georg III.zu Kugeln gegen die Söldner des „blutigen Tyrannen" um. Der Kriegwar unvermeidlich.
4. Krieg. — ri > England schickte 40,000 Mann gutgeschulterTruppen nach Amerika, so daß es mit 55,000 Mann den Krieg eröffnenkonnte. Unter ihnen befanden sich viele deutsche Söldlinge, welche vonihren Regenten an England verkauft worden waren. Namentlich warenes die Fürsten von Braunschweig und Hessen-Kassel, welche sich mitsolchem Menschenhandel befleckten und das Blut ihrer Landeskinder umschnödes Geld verschacherten. — d) Das amerikanische Heer bestand ausMilizen, d. i. aus Leuten, die auf kurze Zeit für den Kriegsdienstangeworben waren und die nach Ablauf der bestimmten Frist, meist aberschön vorher, wieder heimliefen. Militärische Zucht fehlte ihnen sozusagenganz. Offiziere und Soldaten liefen ohne Anzeige fort; letztere dientennicht selten den erstern als Taglöhner auf dem Felde. Es fehlte an Geldund Munition. Washington brachte Ordnung in die ungefügen Miliztruppen. Auf seine dringenden Vorstellungen beschloß endlich der Kon-greß, in Massachusetts ein stehendes Heer, aber von höchstens 22,000Mann anzuwerben; denn er fürchtete, daß ein großes Heer der Freiheitgefährlich werden könnte. — c) Der Krieg nahm für die Amerikanereinen schlimmen Anfang; sie wurden beinahe überall geschlagen; einegrenzenlose Mutlosigkeit bemächtigte sich ihrer. Washington verfügte überkaum 3000 Mann mehr, denen es überdies an allem gebrach; er zogsich über den breiten Delaware zurück, verbrannte die Boote oder schlepptesie auf die Westseite, um dem Feind den Übergang zu wehren. Diegroßen Staaten New-Iork und Pensilvanien ergaben sich den Engländern.