XXXl V. Der nordaincrikanische Freiheitskrieg. 1776—1786. 161
Jeder andere wäre verzweifelt, nur Washington nicht; er brachte seinHeer wieder auf 7000 Mann. — <1) Mitten im Winter führte er esüber den Fluß, überlistete das englische Heer und brachte ihm zweiNiederlagen bei. Das gab den Amerikanern wieder Mut. Wenn auchdie Engländer iin Sommer 1777 wieder siegreich waren, so erlitten siedoch im darauf folgenden Herbst eine ganz empfindliche Schlappe. Dennin Saratoga wurde ein englisches Heer von 5000 Mann gefangen ge-genommen. In Paris, wo man den Amerikanern seit Beginn des Kriegesgewogen war, machte diese Niederlage der Engländer einen solchen Ein-druck, daß es dem allgemein bewunderten Franklin gelang, ein Bünd-nis mit Frankreich zu stände zu bringen. Auch Spanien und Hol-land erhoben die Waffen gegen England. Den europäischen Mächtenwar es besonders daran gelegen, die Vorherrschaft Großbritanniens zurSee zu brechen. — <;) Der Freiheitskrieg der Amerikaner wurde zumWeltkrieg. Frankreich unterstützte die Vereinigten Staaten mit Truppenund Geld. Die Briten hatten unterdessen gesucht, in den Südstaaten,wo es nicht wenige Königstrene gab, festen Fuß zu fassen. Sie siegtenwiederholt; doch Washington gelang es, sie in Porktown lspr. Jörktaun)einzuschließen. Im Oktober 1781 mußte sich das englische Heer von7000 Mann ergeben. Die Kunde davon wirkte in England wie einDounerschlag. Franzosen und Spanier bestürmten unterdessen die Felsen-festung Gibraltar, um sie den Engländern zu entreißen. Der franzö-sische Ingenieur Ar^on hatte schwimmende Batterien erfunden; es warendies entmastete, mit Kanonen besetzte Schiffe mit elastisch schrägen Dächernaus nassen Häuten. Umsonst; durch glühende Kugeln wurde» die Batterien in Brand gesteckt, und der Angriff ward durch den todesmutigenElliot vereitelt. Aber während so England sich in Europa siegreich be-hauptete, unterlag es gegen Amerika. Im Jahre 1783 kam in Ver-sailles der Friede zu stände, in dem die Vereinigten Staaten Nord-amerikas als freie, selbständige Staaten anerkannt wurden.
Konstitution. Vrästdcntfchnkt Washingtons. n) Die BereinigtenStaaten waren, obgleich Sieger, ganz erschöpft. Die Soldaten klagten über rück-ständigen Sold nnd drohten zu mentern. Der Handel stockte. Eine kräftige Regierungthat not. Offiziere forderten Washington auf, daß er sich zum König mache. Mitvollster Entrüstung wies er ein solches Ansinnen zurück. Außerordentlich schwer hieltes, die 16 selbständig gewordenen Staaten unter eine Verfassung zu bringen;doch erkannten sie, daß sie zusammenhalten nnd nach außen als ein Staat erscheinenmußten, wenn sie unabhängig bleiben wollten. Deshalb verzichteten die einzelnenStaaten zu Gunsten des Gesamtstaates, der Union, auf viele Rechte; diese alleinsollte Krieg erklären, mit andern Mächten Bündnisse und Vertrüge schließen, Militärund Flotte kommandieren, das Zoll-, Münz- und Postwesen ordnen. — b) So kam1 7 8 eine Versassnng zu stände, die in ihren Hauptzügcn noch heute besteht. Nachihr übt der Kongreß mit dem Repräsentantenhaus und dem Senat die gesetzgebendeGewalt aus. In diesen schickt jeder Staat, ob groß oder klein, zwei Vertreter, fürjenes aber werden die Abgeordneten je nach der Zahl der Bevölkerung gewählt. Dievollziehende Gewalt liegt in den Händen eines Präsidenten, dessen Ämtsdauer vierJahre beträgt und zu dessen Wahl das ganze Volk zuerst Wahlmänner bestimmt.Er ist der Oberbefehlshaber der Land- und Seemacht und ernennt die Beamten.