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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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134
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13 l XXXV. Die französische Revolmion. 17891799

Vertreter des dritten Standes zur Nationalversammlung. DerHof und der Adel gerieten in Sorge. Der König ließ das Sitzungshausder Nationalversammlung für einige Tage schließen; da kam diese imBallhause zusammen und schwur feierlich, nicht auseinander zu gehen,bis sie dem Volke eine Konstitution gegeben hätte. Mit unendlichemJubel begrüßte die Menge diesen Schwur. Jetzt trat der größere Teilder Geistlichkeit dem dritten Stande bei. v) Die königliche Erklärung,überschüttete letztem am 23. Juni 1789 mit Vorwürfen und Drohungenund forderte die ganze Versammlung auf, auseinander zu gehen. Adelund Klerus gehorchten, der dritte Stand aber blieb sitzen. Der Groß-ceremonienmeister kam, den Befehl des Königs zu wiederholen. Da riefihm der glänzend begabte Redner Mirabeau mit Donnerstimme ent-gegen :Sagen Sie Ihrem Herrn, daß wir hier sind kraft der Macht desVolkes und daß man uns nur durch die Gewalt der Bajonette weg-treiben wird." Und wie aus einem Munde ertönte es beistimmend:Das ist der Wille der Versammlung." Eingeschüchtert durch solchenWiderstand, sagte der König:Wenn die Herren vom dritten Standihren Saal nicht verlassen wollen, so bleibt nichts übrig, als sie darinzu lassen." Er befahl dem Adel, sich demselben anzuschließen. EinigeAdelige folgten. Die Nationalversammlung erklärte ihre Mitglieder fürunverletzlich. Alles schien einen ruhigen Gang nehmen zu wollen.

r). ^astiUe-Strrrnr. l4. Juli 1789. n) Der Adelzeigte sich nicht geneigt, auch nur ein einziges seiner Vorrechte zu opfern.Dem Hofe war es auch nicht um ernstliche Reformen zu thun, sondernnur um die Bewilligung neuer Geldmittel, um den Staatsbankerott zuverhindern. Feinde jeder noch so gesunden Neuerung beschwatzten denunselbständigen König, 30,000 Mann meist ausländischer Mietstruppenin und um Paris auszustellen. Die Furcht, er möchte sie dazu verwenden,die störrische Nationalversammlung aufzulösen und die niedern Volksmassenim Zaume zu halten, schien nicht unbegründet. Auf Mirabeans Antragbat die Nationalversammlung den König, die Truppen zu entlassen; aberstatt ihrer entließ er den beim Volk beliebten Minister Necker. d) Wiedie Kunde davon nach Paris kam, verursachte sie eine unbeschreiblicheAufregung. Camille Desmoulins sprang auf einen Tisch und rief:Esist keine Zeit zu verlieren; Neckers Entlassung ist die Sturmglocke zueiner Bartholomäusnacht der Patrioten. Man will uns erwürgen." Erriß ein Blatt von einem Baume, steckte es auf seinen Hut und fordertedie Zuhörer auf, auch solche Blätter als Zeichen gleicher Gesinnung zutragen. Sie thaten es. Das grüne Blatt wich aber bald der Trikolore,einer rot-weiß-blauen Kokarde. In Paris ertönten die Sturmglocken.Ungeheure Volksmassen wälzten sich nach den Zeughäusern und Waffen-schmieden und bewaffneten sich. e)Nach der Ba stille! Nach derBastille!" schrie die Menge. Es war der 14. Juli 1789. Das verhaßte Staatsgefäugnis, wo schon Hunderte unschuldig geschmachtet, wurde