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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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133
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XXXV Die französische Revolution. 17891799. 183

Zudem lasteten auf dem Bauer gegenüber seinem Herrn die Feudalabgaben:Grundzinse, Frondienste n. s. w. Die Kirche forderte von ihm denZehnten.Von 100 Franken Einkommen," klagte ein Bauer,gebe ichÖ3 dem Staat, 14 dem Grundherrn und 14 der Kirche als Zehnten;von den 19 Franken, die mir bleiben, gehen mir noch für das teureSalz u. a. viel ab." Als Gegenleistung erhielten die Bauern von derRegierung nichts; denn Straßen und andere öffentliche Werke mußtensie selber erstellen. Klagen konnten sie nirgends; denn ihre Bedrückerwaren meist auch ihre Richter; übrigens konnte man beim König Haft-befehle (Iktti'os cks euelikt) kaufen, diese mit den Namen derjenigen, dieman einkerkern lassen wollte, versehen und der Polizei übergeben, woraufdie Unglücklichen ohne Verhör eingesteckt wurden. Die Verzweiflung triebdie Bauern an den Bettelstab. Tausende irrten als Bettler im Landeherum. Wenn dann erst noch, wie 1788, eine Mißernte und darauf einäußerst harter Winter eintrat, dann war die Not doppelt groß.«) Anders die Bürger in den Städten. Sie wurden zwar auch starkbedrückt; denn das Recht, ein Handwerk zu treiben, mußte teuer genugbezahlt werden; auch wurden sie auf jede mögliche Weise eingeengt. Dochunterhielten sie gute Schulen; sie konnten lesen und wurden durch dieSchriften großer Männer, wie Voltaire und Rousseau, aufgeklärt. Wäh-rend die Bauern verhungerten oder im Stumpfsinn dahinbrüteten, derHof und die Adeligen im Laster verkamen, erstarkten die Bürger in denStädten; von ihnen ging der Anstoß zur Revolution aus. k) Trotz dergroßen Summen, welche der König einnahm, machte er ungeheure Schulden.Alle Versuche, Adel und Geistlichkeit auch zur Steuerpflicht heranzuziehen,scheiterten an deren hartnäckigem Widerstand. Die Minister, welche demKönig rieten, sie zu besteuern, wurden entlassen. Endlich war der Staatdem Bankerott nahe; niemand wollte ihm mehr Geld leihen. Da beriefder König auf den Rat des Finanzmiuisters Necker die Reichsstände ein,die seit 1614 sich nie mehr versammelt hatten. Durch sie kam die franzö-sische Revolution zum Ausbrnch.

S. Nationalversammlung. Mai und Juni 1789.3 ) Es war am 5. Mai 1789, als die Vertreter der drei Stände, näm-lich 300 des Adels in goldstrotzendem Prachtkostüm, 300 des Klerusin glänzenden Priestergewändern und 600 des dritten Standes in ein-facher, schwarzer Kleidung in Versailles zusammen kamen. Sogleich ent-brannte der Streit zwischen ihnen; Adel und Klerus wollten nach Ständenberaten und stimmen, der dritte Stand aber nach Köpfen. Siegten diebeiden ersteren, so nützte letzterem die doppelte Anzahl seiner Vertreternichts. Mehr als einen Monat lang stritt man sich darüber herum.Jeder Stand hielt meist von den andern getrennte Sitzung. Wiederholtforderte der dritte Stand die beiden andern auf, sich mit ihm zu einerVersammlung zu vereinigen. Umsonst; bloß einige von der Geistlichkeittraten zu ihm über. Ii) Da erklärten sich am 17. Juni 1789 die