136 XXXV. Die frmizösischo Revolution. 1789—1799.
den Führern der Anstürmenden ab. Die Besatzung sollte ungehindertabziehen dürfen. Die Bastille wurde nun erstürmt und die Gefangenen —es waren ihrer noch sieben — befreit. Delaunay dagegen fiel der Wutdes Volkes zum Opfer. Er wurde mit vier Offizieren ermordet; ihreKöpfe trug ma» als Siegeszeichen auf Piken in der Stadt herum. ZweiKanoniere wurden an Latcrnenpfählen aufgeknüpft. Das Volk beklagte83 Tote und 90 Verwundete. Trotz der höchst bedauernswerten Aus-brüche tierischer Wut wird die Erstürmung der Bastille als Kraftäuße-rung der Menge gegen den Despotismus vom französischen Volke ge-feiert und als faktischer Anfang der Revolution betrachtet.
4. Meirspt)envo4lte. — u) Der Eindruck des Bastillesturmsauf Frankreich war ganz enorm. Necker kehrte im Triumph zurück. Inden Provinzen wurden mehr als hundert Schlösser unter dem Rufe:„Krieg den Palästen, Friede den Hütten" den Flammen übergeben. ZurAufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung bildeten die Bürger eineNationalgarde, zu deren Anführer Lafayette ernannt wurde. In denStädten, vorab in Paris, entstanden oder erstarkten verschiedene Klubs,die sich bald einen maßgebenden Einfluß aneigneten. Der Bastille-Stnrmgab auch der Nationalversammlung den Mut zu durchgreifenden Arbeiten. —I)) In der Nacht vom 3./4. August 1789 faßte sie die weittragendstenBeschlüsse. Der Vicomte de Noailles stellte den Antrag, die bevorzugtenStände möchten dem Volke mit der That beweisen, daß man seineLasten erleichtern, und daß man deshalb den Feudalrechten entsagenwolle. Sein Antrag fand bei Adel und Geistlichkeit freudige Unter-stützung. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit war die Losung. Indieser denkwürdigen Nachtsitzung beschloß die Nationalversammlung gleichesund unentgeltliches Recht für alle, die Aufhebung der Leibeigenschaft undder Zünfte ; alle Ämter sollten allen Bürgern zugänglich sein. „So sinddie Franzosen," meinte Mirabeau, der bei dieser Sitzung nicht anwesendwar, „einen ganzen Monat hadern sie über Silben, und in einer Nachtstürzen sie die gesamte alte Ordnung der Monarchie über den Haufen."Allerdings, in einer Nacht wurde gestürzt, was tausend Jahre mühsamaufgerichtet hatten. — o) Auch kam eine vortreffliche Verfassung zustände, nach der eine Kammer allein die gesetzgebende Gewalt, der Königaber noch das aufschiebende Veto haben sollte, durch das ein von derKammer beschlossenes Gesetz auf vier Jahre verschoben werden konnte.Das Kirchengut wurde als Staatseigentum erklärt; die Geistlichen solltenvom Staate besoldet und von ihren Gemeinden gewählt werden. DieKlöster und Orden wurden aufgehoben. Die frühere Einteilung Frank-reichs in Provinzen wurde durch eine solche in Departemente und Arron-disfemente ersetzt. Das Gerichtswesen wurde dementsprechend auch ganzumgestaltet. Alle Standesunterschiede, Titel und Wappen wurden ab-geschafft. Der Grundbesitz wurde zum großen Teil neu verteilt, und derBauer kam jetzt zu Grundeigentum. — <I) Was die Revolution Gutes