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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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137
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XXXV, Die französische Revolution, >7891799, 137

gebracht, läßt sich in dem Ausdruck Menschenrechte zusammen fassen,Sie bestehen in Freiheit, Gleichheit, Eigentum und Sicherheit, Die Freiheiterlaubt einem jeden, das zu thun, was einem andern nicht schadet. DerMensch darf glauben, reden und thun, was er will, darf sich nieder-lassen, Handel oder Gewerbe treiben, wo er will. Alle Bürger sind vor-dem Gesetze und Richter gleich; keiner hat mehr Rechte als der andere.Die Regierung hängt nicht inehr von einem einzelnen, sondern von derGesamtheit des Volkes ab. Gesetze macht nicht der Einzelne, sondern dasganze Volk oder dessen Vertreter. Freiheit und Gleichheit bilden somitdas unschätzbare Kleinod, das die Revolution leider unter viel Blutver-gießen Europa gebracht hat.

o. Zug des Königs nnd dei? Natiorrainer-snrnrninng ricrrli Ulavis. 5. und tt. Oktober 1789.ri) Nachdem die Gährung ins Volk gedrungen war, wuchs sie von Tagzn Tag. Bon den Klubs, namentlich von dem Jakobinerklub, wurdestetsfort gewühlt. DerVolksfreund" des berüchtigten BlutmenschenMarat hetzte die Masse immer unverschämter zu Gewaltthaten auf.Aber nicht weniger hetzte der ruchlose Herzog von Orleans, der reichstePrivatmann Europas, der den König, seinen Neffen, zu stürzen suchte,um sich an seine Stelle zu setzen. Er ist so recht das Bild eines da-maligen verworfenen, zu jeder Schlechtigkeit fähigen Adeligen. DurchVerleumdungen, ungezählte Geld- und Brauntweinspeuden raubte er demVolke den Rest von Zutrauen zum Könige. Derlei Aufwiegelungen fandenum so williger Gehör, als die Hungersnot in Paris schon einen furcht-baren Grad erreicht hatte. Unklugerweise berief der König wieder Truppennach Versailles, nach deren Ankunft die Trikolore bei einem festlichenGelage am Hofe verhöhnt worden sein soll. d) Der Pariserpöbelbeschloß, den König nach der Hauptstadt zu holen, um ihn beständig inseiner Gewalt zu haben. Die Weiber der Markthallen, namentlich derFischhalle, angeführt von verwegenen Revolutionären, machten sich am5. Oktober 1789 auf den Weg nach Versailles. Ihnen schlössen sichBettlerinnen, Banditen, nichtswürdiges Straßengesindel, auch als Weiberverkleidete Männer an, so daß der Haufe etwa zu 78000 anwuchs.Schreckliche Verwünschungen, namentlich gegen die Königin, hörte manausstoßen. Gegen Abend erreichte der Haufen Versailles. Viele begabensich in die Nationalversammlung, die nicht, wie Mirabean vorgeschlagen,ihre Sitzung aufgehoben hatte. Ein halbbetrnukenes Weib setzte sichsogar auf den Präsidentenstnhl nnd spielte den Präsidenten. Der Königkam gerade von der Jagd heim; er empfing eine Abordnung des Weiber-haufens und versprach ihr sofortige Anschaffung von Getreide, auch ver-bot er feinen Gardisten, aus das Volk zn feuern. e) Gegen Mitter-nacht kam Lafayette an der Spitze von etwa 15,000 Pariser Nationalgardisten, die er unterwegs der Nationalversammlung nnd dem Königehatte Treue schwören lassen, in Versailles an und übernahm nun die