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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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144
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1-14 XXXV. Die französische Revolution. 178!>1799.

Während die beiden erstem zurückgeworfen wurden, legte der letztere durchseine glänzenden Siege den Grund zu seiner spätern Größe.

Napoleon Ponaparic wurde am. August 1769 zu Ajaccio (sprich:Ajritscho) auf Corsica als der Sohn eines Advokaten von altadcligem Geschlecht ge-boren. Italienisches Wesen herrschte anf dieser Insel vor, da sie erst ein Jahr vorseiner Geburt von Genua an Frankreich verkauft worden war. Der zehnjährigeKnabe besuchte die Kriegsschule in Bricnne. Von allen Fächern liebte er Geschichteund Mathematik am meisten. Schon da zeigte sich sein großer Geist und seinselbstsüchtiges Wesen. 1785 ward er Artillerie-Unterlientenant und kam zur weitemAusbildung in den Kriegswissenschaften »ach Paris. Er schloß sich der Revolutionan und ward Republikaner, eifriger Jakobiner, ja sogar Freund Robospierres. Nach-dem er Toulon von den Engländern nach hartem Kampfe zurückerobert, avancierteer zum Brigadegeneral. Der Sturz Robespierrcs brachte ihn nicht nur um sein Amt,sondern auch noch 14 Tage ins Gefängnis. Er kam in Armut und fristete ein elendes,aber arbeitsreiches Dasein in Paris. Die neuen Machthaber verpflichtete er sich durchdie Niederwerfung des furchtbaren JakobincraufstandeS im Oktober 1795. Bonapartewurde zum General des französischen Heeres in Italien ernannt. Vor seiner Abreiseverheiratete er sich mit I ose p hi nc, der schönen Witwe deS guillotinierten GeneralsBeauharnais.

h) Bonaparte traf das Heer im traurigsten Zustande.Soldaten,"sagte er,ihr seid nackend, schlecht genährt; die Regierung schuldet euchsehr viel; sie vermag euch nichts zu geben. Ich will euch iu die frucht-barsten Ebenen der Welt führen. Reiche Provinzen, große Städte werdenzu eurer Verfügung stehen. Ihr werdet dort Ehre, Ruhm und Reich-tümer finden." Ein neuer Geist belebte das Heer. Durch rasche Schlägesetzte er den König von Sardinien in solchen Schrecken, daß er Friedenschloß und dabei Savoyen und Nizza abtrat. Dann warf Bonaparte dieÖsterreicher über die Adda zurück. Bei Lodi kam es zu einer entsetz-lichen Schlacht, wobei er selbst in die größte Gefahr geriet. Sein Hutund Rock waren durchlöchert. Doch er siegte und erregte dadurch dasErstaunen von ganz Europa. v) Jetzt zog er in Mailand ein. DieHerzöge von Parma und Müdena, ja auch der Papst beeilten sich, denSieger durch große Geldsummen und Kunstschätze günstig zu stimmen.Parma zahlte zwei und Müdena zehn Millionen Franken und der Papstnoch viel mehr; dieser mußte überdies Bologna und Ferrara abtreten.Die Kunstschätze Italiens wollte Bonaparte seinem Vaterlande in prangen-den Museen als seine Siegestrophäen zeigen. Seine Raubgier zeigte sichauch hier. Die hölzerne Figur des Muttergottesbildes in dem berühmtenWahlfahrtsort Loretto, südlich von Ancona, schickte er nach Paris; diesieben Millionen Franken hingegen, die er dort enthob, behielt er für sich.Um seine Regierung kümmerte er sich wenig; vom Herbst 1796 hinweglegte er ihr keine Rechnung mehr ab. U) Nach wenigen Monaten bliebÖsterreich in Oberitalien nur noch die starke Festung Mantua, derenBelagerung Bonaparte schon Ende Juni 1796 begann. Österreich machtedie größten Anstrengungen, Mantua zu entsetzen. Vier Entsatzheere schicktees gegen denkleinen Korporal," wie Bonaparte bei seinen Soldaten,oder gegen denkleinen Tiger," wie er von Menschenkennern bezeichnender