XXXVI. Der Kaiser Napoleon I. 1804—1814. 147
hatte am 25. und 26. September 1799 die Österreicher bei Zürich ge-schlagen, bevor Suworow sich mit ihnen hatte verbinden können. Dieserwurde aus deni schwyzerischen Muottathal über den Pragelpaß nachGlarns und von da über den Panixer- und Segnespaß nach Granbündengedrängt. — b) Bonaparte aber stürzte am 9. November (k8. briiniuii-tz)1799 die verhaßte Direktorialregieruug und machte sich zum erstenKonsul. Das französische Volk, sich nach einer starken Regierung sehnendund Ruhe erhoffend, begrüßte den Staatsstreich. Er war das Grab derfranzösischen Republik, die sich jetzt nach zehnjährigem Bestände untereinen Willen beugte und dadurch fast unmerklich wieder in den Hafender Monarchie in Form einer Militärdiktatur einlenkte.
XXXVI. Der Kaiser Napoleon I.
1804—1814.
Mas Konsulat. 1799—1804. — a.) Nach der neuen Verfassung standen ander Spitze des Staats drei Konsuln, von denen jedoch der erste eine wahrhaft königlicheMacht besaß, da er das Heer befehligte und über Krieg und Frieden entschied, wahrenddie beiden andern bloß beratende Stimme hatten und sich nicht einfallen lassen durften,neben Bonaparte noch etwas bedeuten zu wollen. Für die Gesetzgebung war dasZweikammersystem beibehalten. — v) Bonaparte bezog das alte Schloß der Tni-lerien als Wohnung und machte durch seinen fürstlichen Aufwand die Hoffnungenderer zu nichte, die ihn als zweiten Washington gepriesen. Er schuf durch Stiftungder Ehrenlegion einen neuen Adel, war der Schöpfer eines weitverzweigten Polizei-systems und knebelte die Presse. Doch stiftete er als Konsul auch viel Gutes. Erordnete das Finanz-, Rechts- und Kirchenwesen. Soldaten und Beamtewurden regelmäßig bezahlt; als Rechtsnorm stellte er mit Hilfe von Gelehrten einschon vom verrufenen Konvent begonnenes Gesetzbuch auf, dessen Vortresflichkeit all-gemein bis auf die neueste Zeit anerkannt wurde. Den Gottesdienst stellte er samtder christlichen Zeitrechnung wieder her; er schloß mit dem Papste das Konkordat.Die Emigranten durften wieder zurückkehren. — e) Trefflich verstand es Bonaparte,die gewandtesten Männer für die hohen Ämter auszuwählen; er betraute Talley-rand, der gesagt haben soll, die Sprache sei dem Menschen gegeben, damit er seineGedanken verberge, mit dem Departement des Äußern, den schlauen Fouch« mitdem der Polizei. — ü) Bonaparte mußte den zweiten K oa litt o nskri cg fort-setzen. Während Moreau durch Süddeutschland gegen Wien vorrückte, überschritt er,wie einst Hannibal, die Alpen und wurde durch den Sieg von Marengo, einemOrt bei Alessandria, wieder Herr über Oberitalien. Dieser Sieg war zwar nicht seinVerdienst, sondern dasjenige seiner Generale Kellermann und Dcsaix, die, nachdemBonaparte bereits geschlagen worden war, die siegestrunkenen Österreicher mit solchemUngestüm angriffen, daß sie in wilder Unordnung davonflohcn. Gleichzeitig siegteauch Moreau in Deutschland. — e) Im Frieden von Lnnvvi lle 1801 trat Österreichdas linke Rhcinufer an Frankreich ab; etwa drei Millionen Seelen kamen damit anFrankreich. Die Fürsten sollten für ihre Besitzungen auf dem linken Rheinufer mitsolchen auf dem rechten entschädigt werden. Der Friede von Amiens, den er 1801!mit England abschloß, in welchem dieses die meisten Eroberungen wieder heraus-geben mußte, beendigte den zweiten Koalitionskrieg (1798—1802). — k) Von dergrößten Bedeutung waren die Beschlüsse der Deputierten des deutschen Reichs, diein Regensburg zusammenkamen; denn sie begründeten in Deutschland eine ganzneue Ordnung. Die g e istliche n Neichsstände verloren ihren Landbesitz. Die Bischöfe,Äbte u. s. w. hörten somit auf, weltliche Herrscher zu sein.