Buch 
Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
Entstehung
Seite
150
JPEG-Download
 

150 XXXVI. Der Kais« Napoleon I. 160!1811.

Siegesfreude. Auf der Höhe von Trafalgar, unweit Gibraltar, wurdedie spanisch-französische Flotte am 21. Oktober 1805 von Nelson ver-nichtet. Nur wenige Schiffe konnten die Franzosen in den Hafen vonCadix retten. Allein Nelson hatte seinen Sieg mit dem Leben erkaufenmüssen; eine Kugel von dem Mastkorb eines feindlichen Schisses aushatte ihn mitten ins Herz getroffen. Napoleons Hoffnungen zur Seewaren damit für immer vernichtet; bald suchte er England aus andereWeise tödlich zu treffen. <1) Der Friede von Preßbnrg schließteigentlich den dritten Koalitionskrieg ab, wenn auch England und Ruß-land im Kriegszustand verharrten. Dieser Krieg hatte schwere Folgen fürDeutschland. Sechzehn süddeutsche Fürsten, an ihrer Spitze Bayern,Württemberg, Baden und Hessen, schloffen 1806 unter dem ProtektorateNapoleons den Rheinbund, dem später alle Staaten Deutschlands mitAusnahme Preußens und Österreichs beitreten mußten. Sie verpflichtetensich Frankreich zur Waffenhilfe. Da legte Kaiser Franz die deutscheKaiserkrone nieder; damit löste sich dasheilige römische Reich deutscherNation" auf, nachdem es tausend Jahre bestanden hatte. Die Fürstenvon Württemberg und Bayern erhob Napoleon zu Königen, den Mark-grafen von Baden zum Großherzog und verband sie sich noch durchVerschwägerung.

3. Der? vierte Kvcrtitivrrskrieg oder DrerrHensErniedrigung. 18061807. ri) Auch der preußische KönigFriedrich Wilhelm III. (17971840) wurde zum Kriege gereizt. Erfand Hilfe bei England und Sachsen, namentlich aber bei Rußland. Daspreußische Heer, annähernd 150,000 Mann stark, hatte so gut wie dieStaatsverwaltung seit dem Tode Friedrichs des Großen nicht nur keinenSchritt vorwärts gethan, sondern war in allen Dingen zurückgegangen.Seine Generale waren alte Männer, die Napoleon nicht gewachsen waren.Die jungen Offiziere waren voll verletzenden Übermuts. d) Kaumhatte Preußen die Kriegserklärung abgeschickt, so stand Napoleon schon miteinem schlagfertigen Heere von 200,000 Mann in Thüringen. Bei Jenaund Auerstädt brachte er am 14. Oktober 1806 den Preußen eineentsetzliche Niederlage bei. 50,000 Preußen waren tot, verwundet odergefangen, während die Franzosen ihren Verlust bloß auf 1100 Toteangaben. Eine grenzenlose Mutlosigkeit bemächtigte sich jetzt der Preußenund Sachsen. Napoleon wußte diese geschickt auszubeuten. o) Er behan-delte den Kurfürsten von Sachsen mit der größten Schonung. Nichtnur schenkte er allen sächsischen Gefangenen die Freiheit, sondern gab auchdem Kurfürsten sein Land ungeschmälert zurück. Ja, später machte erihn zum König und gab ihm noch das Herzogtum Warschau. Der Kur-fürst von Sachsen war von nun an zu seinem und seines Volkes Unglückein treuer Bundesgenosse Napoleons. (1) Mit verdächtiger Eile ergabensich die preußischen Festungen; Stettin mit 500 Mann, 150 Kanonenund reichen Vorräten ergab sich sogar einem kleinen Korps leichter