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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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153
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XXXVI. Der Kaiser Napoleon I. 18011814. 158

in dumpfem Schlaf, so daß die Marschälle berieten, was zn thun sei,wenn er nicht mehr erwachen sollte. Doch er erwachte wieder. Bald zoger Verstärkungen an sich nnd lieferte bei Wagram auf dem Marchfeldeden Österreichern eine neue Riesenschlacht, die er gewann. 6> ImFrieden von Wien verlor Österreich aufs neue viel Land. Wohl erhobensich die treuen Tiroler unter der Anführung Andreas Hofers, desSandwirts von Passeyer, für ihren Kaiser; sie wurden überwunden, Hoferward in einer einsamen Sennhütte gefangen genommen und in Mantuaerschossen. «1t Im Jahre 1809 ließ sich Napoleon von seiner GemahlinJosephine scheiden und hatte die Stirne, den von ihm so tief gedemü-tigten Kaiser Franz um die Hand seiner Tochter zu bitten. Der gebeugteFürst brachte auch dieses Opfer noch. So verheiratete sich denn Napoleonim Jahre 1810 mit der 19-jährigen Maria Lvuise. Damit verbander sich mit dem ältesten großen Herrscherhaus Europas, mit dem derHabsburger. 1811 erhielten sie einen Sohn, der schon in der Wiege denTitelKönig von Rom" führte.

6. Der? vusPiUhe Feldxrrg. 1812. n) Seit demFrieden von Tilsit war das europäische Festland im Westen nnd Centrumvon Napoleon, im Osten von Alexander I. beherrscht. Aber der Ehrgeizdes erster« ertrug keinen Nebenbuhler. Darum suchte Napoleon denrussischen Kaiser zum Kriege zn reizen. Er setzte den Herzog von Olden-burg, einen Schwager desselben, ab, und schlug sein Land zn Frankreich,so daß dieses jetzt bis an die Ostsee reichte. Alexander erzürnte sich sehrdarüber; auch befürchtete er, Napoleon konnte das Königreich Polenwieder herstellen. Hinwiederum hielt der russische Kaiser die Kontinental-sperre gegen England nicht strenge. Napoleon plante nach der Unter-werfung Rußlands, Persien und von da aus Ostindien zn erreichen, woer die Engländer am empfindlichsten zu treffen hoffte. >0 Er stellteein Heer auf, wie die Welt seit den Zeiten des L'erxes keines gesehenhatte; denn alle Staaten Europas, mit Ausnahme der nordischen, mußtenihm einen erheblichen Blutzoll an Menschenmaterial entrichten. Über000,000 Franzosen, Deutsche, Italiener, Schweizer, Österreicher, Spanier,Portugiesen marschierten in vortrefflicher Ausrüstung in den mannig-faltigsten Uniformen im Sommer 1812 nach der russischen Westgrenze.e) Am 23. Juni 1812 setzte Napoleon über den Niömen, den Grenz-fluß zwischen Preußen und Rußland. Dieses befand sich in der aller-größten Gefahr, da es mit der Türkei in einen Krieg verwickelt war;doch die Engländer wußten rasch einen Frieden zu vermitteln, damit dieRussen alle ihre Streitkräfte gegen Napoleon verwenden konnten. DieRussen mußten auf allen Punkten zurückweichen. Einige behaupten, siewären mit Absicht, alles hinter sich zerstörend, stets zurückgewichen, umdie feindliche Armee dadurch tief ins Innere zu locken, wo ihr Feinde,Klima, Mangel an Lebensmittelii ein sicheres Grab bereiten mußten. Dochbei Smolensk am Dnjepr nnd an der Moskwa stellten sich die Russen