15 t XXXVI. Der Kaiser Xapalcon 1. 1804—1814.
zum Kampfe, wurden aber nach heldenmütiger Gegenwehr zurückgeworfen.—<l) Jetzt stand Moskau dem Feinde offen. Beim Anblick dieser Stadtmit ihren 400 meist golddachigen Kirchen wurden die Sieger mit unaus-sprechlicher Freude erfüllt; denn hier hatte ihnen Napoleon Winterquartiereversprochen. Aber zu ihrer großen Verwunderung war die Stadt wieausgestorben. Niemand kam dem Sieger entgegen, um ihm die Schlüsselder Stadt zu überbringen. Ihre Thore waren weit geöffnet. Schon amAbend des 14. September 1812, wenige Stunden nach Napoleons Ein-zug, ging an einigen Orten Feuer aus. Rostopfchin, der Kommandantder Zarenstadt, hatte den ungeheuren Plan gefaßt, sie den Flammen zuübergeben, um dadurch die Franzosen zu vernichten. 2000 Sträflingenhatte er die Freiheit geschenkt, damit sie die Stadt an allen Eckenanzündeten. Beim vollständigen Mangel an Löschvorrichtungen griff dasFeuer rasch um sich. Der Kreml, d. i. die alte Zarenburg, wo Napoleonabgestiegen war, blieb nicht verschont. Dieser konnte sich nur durch eineenge, krumme Gasse rette». 4500 hölzerne und 2900 steinerne Häuserlagen in Asche. Napoleon hoffte, Alexander werde ihn jetzt um Friedenbitten; geschickt wußte ihn dieser mit Friedenshoffnungen hinzuhalten. —«0 Endlich entschloß sich Napoleon zur Rückkehr. Am 19. Oktober 1812verließ er Moskau. Aber welch entsetzlicher Rückzug! Schon am7.November 1812 stieg die Kälte auf 17" 11. Die Schrecken eines russischenWinters brachen über die „große Armee," die übrigens schon vor derAnkunft in Moskau durch Desertion enorm gelitten, herein. Es fehlteden Soldaten an Lebensrnitteln; meistenteils mußten sie die Nacht unterfreiem Himmel, auf Schnee gebettet, zubringen. Es fehlte ihnen anwarmer Kleidung, da sie auf der Flucht ihr Gepäck weggeworfen unddie Pferde der Bagagewagen ausgezehrt hatten. Diese jüngst noch sostolzen Soldaten suchten sich jetzt mit Bauernkitteln, Weiberröckcu, Nacht-mützen, Hunde- und Katzenfellen, Pferdedecken, Shwals u. s. w. gegen dieKälte zu schützen. Zudem donnerten die Russen von Zinks, rechts undhinten aus sie ein. Besonders schrecklich war der Übergang über dieBeresina, einen Nebenfluß des Dnjepr. Tausende erfroren, verhungertenund wurden, fern von ihren Liebe», den Wölfen zum Fraß. Ein kleinerRest schleppte sich nach der deutschen Grenze. Aber in welchem Zustand!Die meisten mit erfrorenen Nasen, Ohren oder Gliedmaßeu, hohläugig,zu Totengerippen ausgehungert, ohne Ordnung und Waffen. „Trommelnohne Trommelstock, Kürassier im Weibcrrock; so hat sie Gott geschlagen,mit Roß und Mann und Wagen!" Von dem glänzenden Heere kehrtenetwa 45000 Mann zurück, von denen sehr viele durch die unsäglichenLeiden lebenslänglich Krüppel blieben.
Lveilleitstrriege. 1813—1814. — n> Der Brand vonMoskau war die Morgenröte der neuen Freiheit. Das Volk erkanntein dem Untergang der großen Armee ein furchtbares Strafgericht Gottes.Schon lange ersehnten die Unterjochten die Zeit, wo sie sich frei machen