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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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155
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XXXV!. Der Kaiser Napoleon I. 180115i>

könnten. Jetzt faßten die Völker neuen Mut. Das schwergedrückte Preußenging allen voran; es schloß mit Rußland ein Bündnis. Der KönigFriedrich Wilhelm III. erließ einen begeisterten Aufruf an fein Volk.Auch die Dichter riefen zum Freiheitskampf auf. Ernst Moritz Arndt er-mähnte: Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte, drumgab er Säbel, Schwert und Spieß dem Mann in seine Rechte, u. s. w.Theodor Körner, der bald darauf den Heldentod starb, sang: TuSchwert an meiner Linken, was soll dein heitres Blinken u. s. w. undverewigte in einem herrlichen Liede das Lützowsche Freikorps, zu welchemer selbst gehörte. Der König rief, und alle, alle kamen. l>) Eineunbeschreibliche Begeisterung bemächtigte sich aller Preußen. Der Land-mann verließ den Pflug, der Handwerker die Werkstatt, der Kaufmanndas Geschäft, Studenten und Professoren die Hochschulen, um für dasVaterland zu kämpfen. Alt und jung, vornehm und gering, reihte sichunter die kampfeslustigen Scharen- Unbeschreiblich groß war die Opfer-willigkeit. Nach Berlin wurden 150,000 goldene Trauringe gesandt,wo sie gegen eiserne mit der Inschrift:Gold gab ich für Eisen 1813"umgetauscht wurden. Mädchen ließen sich ihr schönes Haar abschneidenund legten den Erlös aus den Altar des Vaterlandes. Der König stiftetezur Erinnerung und Belohnung des heiligen Krieges den Orden deseisernen Kreuzes. o> Napoleon hatte sich gegen Preußen, Österreich,Rußland, Schweden und England zu wehren. Letzteres führte von Spanienaus einen wuchtigen Schlag gegen Frankreich. Der Hauptkampf abersollte sich um Leipzig abspielen. Die Alliierten oder Verbündeten rücktenunter blutigen Kämpfen in drei Heeressäulen strahlenförmig gegen dieseStadt heran. Blücher mit 95,000 Mann von Schlesien, Bernadotte mit150,000 Mann von Berlin, und Schwarzenberg mit 160,000 Alaunvon Böhmen her. In den Tagen vom 16.19. Oktober 1813 fiel beiLeipzig die Entscheidung. Die Alliierten waren Napoleon an Zahlüberlegen, da noch vorher einige deutsche Staaten, z. B. Bayern abgefallenund zu den Deutschen übergegangen waren. Über 1000 Kanonen donnerten gegen einander; es war mehr ein Schlachten als eine Schlacht;das viertägige Gemorde kostete die Franzosen 80,000, die Alliierten50,000 Mann. Napoleon unterlag; er eilte nach dem Rhein. tl > DieAlliierten boten ihm Frieden an; doch Napoleon wollte nichts davonwissen, denn verfolgten sie ihn über den Rhein. Blücher suchte durchLothringen und die Champagne, Schwarzenberg durch die Schweiz Pariszu erreichen. Mit der äußersten Verzweiflung wehrte sich Napoleon gegenbeide Heere. Wo er selbst angriff, da siegte er; doch seine Generaleunterlagen. Schlug er Blücher, so rückte Schwarzenberg vor; wandte ersich gegen diesen und überwand ihn, so war jener unterdessen wieder vor-gerückt. Da faßte er den verzweifelten Plan, mit seinem Heere in Deutsch-land einzufallen in der trügerischen Hoffnung, Blücher und Schwarzenbcrgwürden ihm folgen und Frankreich verlassen. Umsonst; er unterlag. DieAlliierten zogen am 31. März 1814 in Paris ein. Napoleon mußte