Buch 
Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
Entstehung
Seite
162
JPEG-Download
 

162

XXXVII. Erfindungen der neuesten Zeit.

darauf sich weiterentwickelnde Starkstromtechnik hat die Oerstcdsche Ent-deckung von dem Elektromagneten oder den Wechselbeziehungen der beidenNaturkräfte ihre nutzbringendste Anwendung erhalten. Die Dynamo-maschine schickt sich an, neben der Dampfmaschine eine ebenbürtigeStellung eiuzunehmeu. — M Aus keinem Gebiete findet sich bei allenKulturvölkern ein größerer Wetteifer, als auf dem der Elektricität unddes Magnetismus. Beinahe kein Jahr vergeht, in dem nicht die Weltum eine oder mehrere Erfindungen bereichert wird.

8. Industrie» — n) Im 19. Jahrhundert hat sich in den Pro-duktionsverhältnissen durch die Großindustrie ein vollständiger Umschwungvollzogen. Die Großindustrie steht im Gegensatz zum Kleinbetrieb imHandwerk. Wie dieses für den mittelalterlichen Gewerbefleiß charakteristischist, so ist es die Fabrik, diese Werkstätte der Großindustrie, für den neuern.Der Handwerker produziert im kleinen, gewöhnlich aus Bestellung, derFabrikant aber im großen, oft auf Vorrat. Beim Handwerk steht diepersönliche Arbeitskraft im Vordergrund; der „Meister" befindet sich alsVorarbeiter mitten unter seinen Gesellen und handhabt die gleichen Werk-zeuge, wie sie; der Fabrikant aber hat nicht Gesellen um sich, sondernArbeiter unter sich; sein vornehmstes Werkzeug ist die Maschine. DerHandwerker verbindet mit der Produktion seiner Ware zugleich den Ver-kauf derselben im kleinen; der Fabrikant setzt dagegen seine Produktenicht 6n ck6l9.il, sondern meist nur 6ir Kios an Kaufleute ab. — I)) DieIndustrie beruht auf dem Prinzip der Arbeitsteilung. Bei der Er-stellung einer Uhr z. B. sind nicht weniger als 120 Arbeiter thätig,von denen jeder eine gewisse Branche der Uhrenmacherei vertritt. Durchdie konstante Beschäftigung mit einem und demselben Gegenstände lerntman die Arbeit nicht bloß schneller, sondern den Gegenstand auch soliderund schöner machen, so daß er dadurch wohlfeiler verkauft werden kann.Die Arbeitsteilung wird mit zunehmender Kultur immer größer; sieverdrängt das Handwerk überall da, wo es mit ihm in den gleichenArtikeln konkurrierend auftritt. — c) Noch mehr als der Arbeitsteilungverdankt die Industrie ihre Mehrleistungen gegenüber dem Handwerk derMaschine. Dies zeigt sich ganz besonders in der Textilindustrie, d. i.in der Fabrikation der Gespinste und Gewebe. Jakob Hargreaves(spr.: Hürgrifs), ein armer englischer Weber, erfand 1767 eine Spinn-maschine, nach seiner Tochter „Jenny" genannt, wobei ein Mädchen80—120 Spindeln bedienen konnte. Hargreaves Schicksal war traurig.Arbeiter drangen in sein Haus, zerstörten seine Maschine und nötigtenihn zur Flucht. Er starb, vom Unglück verfolgt, in bitterer Armut.Seither sind die Spinnmaschinen noch vielfach verbessert worden. DerErfolg ist ein ungeheurer: Mit einer Spinnmaschine produziert heute eineinzelner Arbeiter eben so viel, als ihrer 180 vor der Erfindung derselben. — <1) Nicht weniger groß sind die Fortschritte in der Weberei.Der Ruhm, die erste große Webmaschine erfunden zu haben, gebührt dem