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Weltgeschichte für Sekundar-, Bezirks- und Realschulen in methodischer Anordnung / von Rudolf Luginbühl
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164
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XXXV1I1. Restauration. 18151830.

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müsse. Jede Erziehung wird deshalb vvm Leichtern zum Schwerern,vom Nähern zum Entferntem schreiten; alle Erkenntnis baue sich aufAnschauung auf. Diese Grundsätze nicht bloß ausgesprochen und ver-fochten, sondern sie in den wichtigsten Unterrichtsfächern durchgeführt, mireinem Wort, die richtige Methode des Unterrichtens wie der Erziehungüberhaupt gezeigt zu haben, ist das Verdienst Pestalozzis. e) Staatenund Gemeinden erachten es als eine ihrer ersten Pflichten, fürgenügenden Unterricht der Kinder zu sorgen, Lehrerbildungsanstalten zuerrichten, Schulhäuser zu bauen und den Schulbesuch obligatorisch, d. i.allgemein verbindlich zu erklären. Nicht bloß die Volksschule entstandoder hob sich, sondern das ganze Bildungswesen nahm einen ungeahntenAufschwung. Das Leben ist heute so vielgestaltig, daß sich keiner ohnegenügende Fertigkeit im Lesen, Schreiben und Rechnen darin zurecht zufinden weiß. Der Mensch darf seine Jugend nicht mehr planlos ver-streichen lassen, sondern er muß sich auf eine verhältnismäßig hoheBildungsstufe emporschwingen, bevor er produktiv thätig sein kann. Bei-nahe jeder Arbeitszweig hat sich so sehr entwickelt, daß er eine bedeutendeVorbildung erfordert. Die ungeheuren, beständig wachsenden Summen,welche fürs Erziehungswesen verausgabt werden, zeigen, wie sehr derStaat der Hoffnung lebt, daß gut erzogene Kinder auch bessere Menschenund Bürger werden. Treue Obsorge fürs Erziehungswesen gilt im all-gemeinen als Gradmesser der Kultur eines Volkes.

XXXVIII. Restauration.

18151830.

1. Die tseiirge AUicrnz. a) Die welterschütternden Ereig-nisse der französischen Revolution und der napoleonischen Zwangsherrschaftweckten bei allen Völkern die Sehnsucht nach Frieden. Auch die Fürstenwaren der unaufhörlichen Kriege müde. Bei ihrer Anwesenheit in Parisim Jahre 1815 schloffen die Monarchen von Rußland, Österreich undPreußen die heilige Allianz, der bald die meisten Fürsten Europasbeitraten. Sie gelobten, einander gemäß den Worten der heiligen Schriftwie Brüder zu lieben und zu helfen, als Familieuväter ihre Unterthanenzu regieren und die Religion, den Frieden und die Gerechtigkeit aufrechtzu erhalten. d) Unter diesen schönen Worten aber versteckte sich nurzu bald eine gewisse Feindschaft gegen alle freiheitlichen Entwicklungen:denn die Fürsten suchten die frühere unbeschränkte Herrschaft (Absolutismus)wieder herzustellen oder zu restaurieren, was auch den meisten gelang.Viele von ihnen hatten durch die Ereignisse nichts gelernt und nichtsvergessen und gingen in ihrem Haß gegen die Revolution sogar so weit,daß sie alles, was nur daran erinnerte, vernichteten. So wurde in Rom dieStraßenbeleuchtung als eine revolutionäre Einrichtung beseitigt; bei Bologna