168 XXXIX. Die Zeit des Julikönigtums. 1830—1818.
in Madrid und bereiste Europa. Lange hielt er sich in Paris auf.Begeistert für die freiheitlichen Institutionen Europas, ausgerüstet miteuropäischer Bildung, kehrte er mit dem Vorsatz, sein Vaterland zu befreien,dahin zurück. Bald wurde er die Seele aller kriegerischen Unternehmungengegen die Spanier. Focht er auch mit wechselndem Glück, so blieb ihmdoch schließlich der Sieg. Er zeichnete sich nicht bloß durch Tapferkeitund List, sondern auch durch große Selbstlosigkeit aus; denn er opfertesein ganzes Vermögen und wies später die Millionen, die man ihm anbot,zurück. Ihm hauptsächlich verdanken Venezuela, Kolumbien, Quito, Peruund das nach ihm benannte Bolivia ihre Freiheit.
XXXIX. Die Zeit des Iulikönigtums.
1830—1848.
1. Die IuiiveVe»irrtie»n. 26—31. Juli 1830. — n,) Frank-reich war eines der wenigen Länder in Europa, das seit 1815 eineziemlich freie Verfassung besaß. Aber dem französischen Könige Karl X.,dem Bruder Ludwigs XVI. und Ludwigs XVIII. war sie ein Dorn imAuge; er suchte dem Adel wieder zu den alten Vorrechten zu verhelfen.Doch traten ihm zwei kräftige Gegner entgegen: die Deputiertenkammerund die Presse. In beiden wurde das reaktionäre Ministerium Polignacheftig angegriffen. Der König löste im Frühling 1830 die Kammer auf.d) Um das Volk von den innern Angelegenheiten abzulenken, eroberteer Algier und schlug dieses fruchtbare Land zu Frankreich. Trotzdemwählten die Franzosen noch heftigere Gegner in die Deputiertenkammerals früher. Da verletzte der König die Verfassung und unternahm einenStaatsstreich, indem er durch die „Ordonnanzen" vom Montag den26. Juli 1830 die Preßfreiheit aufhob, die neugewählte Kammer auf-löste und das Wahlrecht beschränkte. — «) Paris war überrascht. Seinebedeutendsten Zeitungsschreiber traten im Bureau des „National" zu-sammen, dessen Chefredaktoren Adolf Thiers und Franz Mignet dasreaktionäre Ministerium am heftigsten angegriffen hatten. Thiers setzteeinen Protest auf, der von den Anwesenden unterzeichnet und dann sogleichverbreitet wurde. Am Dienstag schloffen sich die Druckereien. Aneinigen Orten der Stadt begann die Menge hcreits Waffenmagazine zuplündern, Pflastersteine aufzureißen und zu meterhohen Querwällen (Barri-kaden) auszuwerfen, um damit die Straßen zu sperren. — «1) AmMittwoch Morgen wogten ungeheure Menschenmengen durch die Straßen.In den Ruf: „nieder mit den Ministern!" mischte sich der Ruf: „Wegmit den Bourbonen!" Die königlichen Wappen verschwanden. Gegen11 Uhr flatterte auf dem Stadthaus die dreifarbige Fahne und von derNotre-Dame erklang die große Glocke, der bald alle Glocken mit Sturm-geläute antworteten. Während der König in dem westlich von Paris