XXXIX. Die Zeit des Zulikönigtnms. 1830—1818. 130
gelegenen Schlosse Samt Cloud ruhig der Jagd und dem Karten-spiel oblag, befiel seine in Paris weilenden ratlosen Minister stündlichsteigende Angst. Nur Polignac habe den Kopf nicht verloren, bemerkteboshaft das Volk, weil er keinen zu verlieren hätte. Die Stadt warunterdessen in Belagerungszustand erklärt und alle Macht in die HändeMarmonts gelegt worden. Er schickte seine Truppen in vier Kolonnenaus, um die Straßen von den Barrikaden und den Aufrührern zusäubern. Wo sie sich zeigten, flog aus den Fenstern, Kellerlöchern, vonden Dächern und Barrikaden ein ganzer Hagel von Kugeln, Flaschen,Scheitern, Möbeln, Ziegeln, Pflastersteinen auf ihre Köpfe. Kaum hattendie Regierungstruppen die Menge zerstreut und die Bahn geebnet, soschlössen sich in ihrem Rücken die Menschenwogen wieder zusammen unddie Barrikaden entstanden aufs neue. Nur mit größter Mühe konntensich die Truppen während der Nacht wieder zu den Tuilecien zurück-ziehen. — e) Da brach der entscheidende Tag, Donnerstag, der29. Juli, an. Marmont hatte während der Nacht von allen SeitenTruppen herbeordert und die noch vorhandenen durch das Versprecheneines iTch monatlichen Extrasoldes ermutigt. Doch hatten sich bereitsMänner, wie Lafcchette, den Aufständischen angeschlossen und die National-garde wieder ins Leben gerufen. Heftiger als je begann mit demgrauenden Morgen der Kampf. Da traten zwei Regimenter, von KasimirPörier in feuriger Rede dazu aufgefordert, zum Volke über. Marmont,der sich auch in den Tuilerien nicht mehr halten konnte, zog sich zurück,und die Masse bemächtigte sich des Palastes. Doch kamen nur wenigeVerwüstungen vor. Da und dort wurden Plünderer vorn Volke selbsterschossen. Jetzt endlich gab der König nach, rief die Ordonnanzen zurückund dankte das verhaßte Ministerium ab. Allein der Überbringer derköniglichen Ordonnanz fand in Paris nicht einmal eine Druckerei, in derer sie drucken lassen konnte. „Es ist zu spät; Karl X. ist nicht mehrKönig von Frankreich!" tönte es ihm entgegen. — k) Am 30. Juliwurde beschlossen, den allgemein beliebten Herzog von Orleans ein-zuladen, die Stelle eines Generalstatthalters anzunehmen. Unter demJubel der Pariser Bevölkerung zog er Samstags in die Stadt. Montag,den 2. August, also gerade acht Tage nach dem Erlaß der Ordonnanzen,dankte Karl X. ab. Die Franzosen aber wählten Louis Philippe,den Herzog von Orleans, zu ihrem Könige. Er war der Sohn desberüchtigten Herzogs von Orleans, der als Bürger Egalitö gegenLudwig XVI. gewühlt hatte. Durch die Revolution vertrieben, war ereine Zeitlang Lehrer im Erziehungsinstitut Haldenstein bei Chur ge-wesen. Seit Wiedererlangung des großen väterlichen Vermögens hatteer junge, aufstrebende Talente unterstützt und sich durch seine einfache,bürgerliche Lebensweise die Sympathie des französischen Volkes erworben.
2. Gründung des Königreichs Seigien. 1830.ri! Die Jnlirevolution wurde von allen unterdrückten Völkern mit nn-