XIv. Die Revolutionen von 1848—1851.
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nach Einheit, denn beide Länder zerfielen in kleine Staaten. Italienbesaß keine, Deutschland nur eine schwache Bundesgewalt. Das solltesetzt anders werden. In Frankfurt trat das erste deutsche Parlamentzusammen. Die berühmtesten und edelsten Männer Deutschlands gehörtendazu. Die Patrioten erwarteten von ihm eine Neugestaltung des deut-schen Reiches. Wohl schns das Frankfurter Parlament eine neue Ver-fassung,- aber an der Spitze der neuen Bnndesgewalt stand wie bisherÖsterreich, dem natürlich nicht daran lag, ein einheitliches und mächtigesDeutschland zu schassen. Zudem besaß die neue Bundesregierung keineMachtmittel, die Verfassung durchzuführen- Allmählich brach sich dieAnficht Bahn, daß nur durch Anschluß an Preußen eine EinigungDeutschlands erzielt werden könne. Mit schwachem Mehr beschloß hieraufdas Frankfurter Parlament, dem Könige von Preußen die Kaiser-krone anzubieten; dieser wollte sie jedoch nicht annehmen. Die EinigungDeutschlands war damit mißglückt. Auch die Verfassungen der einzelnenStaaten fielen nicht nach dem Wunsch der Revolutionsurheber aus. Sokam es denn in Dresden, den Rheinlanden und in Baden zu Aufständen;aber preußische Truppen dämpften sie mit Härte. — <I) In Italiensetzten die Patrioten ihre Hoffnung auf das sardinisch-piemontesischeHerrscherhaus. Sie nötigten es zum Kriege gegen Österreich; es solltediesem die Lombardei entreißen. Wenn dies gelang, so war es auch umdie kleinen Fürstentümer geschehen. Allein bei Custozza, westlich vonVerona, wurden die Piemontesen im Juli 1848 von Österreich geschlagen.Im Jahre 1849 versuchten sie ihr Waffenglück zum zweitenmal, wurdenaber wieder besiegt und zwar bei Nvvara. Der König dankte ab; seinSohn Viktor Emanuel 11. bestieg den Thron. — e) In Österreichrang man wohl nach Freiheit, aber nicht nach Einheit, sondern umnationale Selbständigkeit. Die österreichisch-ungarische Monarchiewar wie noch heute aus vielen, in Sprache, Sitte und Geschichte verschie-denen Völkerschaften zusammengewürfelt. Das Regierungsblatt vomJahre 1849 mußte, um allen gerecht zu werden, in 10 Sprachen gedrucktwerden. Unter den Stämmen waren seit Jahrhunderten die Deutschendie Herrschenden; doch rangen mit diesen namentlich die Magyaren inUngarn und die Czechen (spr. Tsch. . .) in Böhmen um nationale Selb-ständigkeit. In den Jahren 1848—61 loderte das Feuer des Aufruhrsan allen Enden. Die Ungarn, die Czechen, Südslaven rc. erhoben sich,um selbständig zu werden. In Wien u. a. a. O. kam's zu blutigenKämpfen. Am heftigsten jedoch wogte der Kampf in Ungarn, das sichunter Führung Kossuths von Österreich loslöste und zur Republik erklärte.Wohl schwerlich wäre es Österreich gelungen, Ungarn zu bezwingen, wennihm nicht ein russisches Heer zu Hilfe gekommen wäre. Der Kaiser hatteschon 1848 abgedankt und sein Neffe Franz Joseph I. war ihm aufdem Throne gefolgt. — Äußerlich betrachtet, verfehlten so die Revo-lutionen von 1848 — 51 ihren Zweck: in Österreich z. B. kehrte derfrühere Verfassungslose Zustand zurück; viele Fürsten nahmen besonders
Lnginbühl, Weltgeschichte. S. Atifl.