XI. IlI. Der Secessionskrieg. 1861 1865,.
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dem Quell aller Gcrcchtigkeil. Er förderte die Sparkassen. Auch die Gründung undFörderung von Handwerks- und Bückerkassen ließ er sich angelegen sein. Er küm-merte sich um Arbeitermohnungen und verfertigte selbst Modelle dazu. Die größtenErfolge erzielte er in der Handelspolitik. Als eifriger Anhänger des Frei-handels brach er mit dem Schutzzollsystem und trieb durch günstige Handelsverträgemit auswärtigen Staaten den französischen Markt zu hoher Blüte. — 6) Mit dermexikanischen Expedition fing sein Stern zu sinken an. Um in Amerika derlateinischen Rasse und dem monarchischen Prinzip aufzuhelfen, sich Ruhm und demfranzösischen Handel neue Absatzgebiete zu verschaffen, drängte er Mexiko l864 Maxi-milian, den Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph, als Kaiser auf undversprach demselben, die französischen Truppen bis 1868 zu lassen. Doch er zog sieschon vorher zurück und überließ den mexikanischen Kaiser seinem Schicksal; dieserwurde erschossen. Laut gab sich der Unwille des französischen Volkes über das aben-teuerliche Unternehmen kund, das Frankreich viele hundert Soldaten und über 800Millionen Franken kostete, dessen Mißlingen die französische Eitelkeit empfindlich ver-letzte und das die ganze Verlogenheit und Treulosigkeit des Kaisers aller Welt offen-barte. Daß er das Emporkommen Preußens in den Jahren 1864 und 1866nicht zu verhindern oder wenigstens dabei für Frankreich das linke Rhcinufer nichtzu erwerben vermochte, wurde ihm von der Diplomatie zum großen Fehler ange-rechnet. — 6 > Überdies krankte das Kaisertum an innern Gebrechen, welche dieUnzufriedenheit schürten. Die Staatsschuld wuchs. Napoleon knebelte die Presse. Erlieferte die Schule dem Klerus aus und förderte das Schulwesen so wenig, daß noch1860 in der Bretagne 60 Prozent der männlichen Bevölkerung Analphabeten waren.Er beschränkte das Vereins- und Pctitionsrecht. Die Unsittlichkeit des Hoflebenssteckte auch weitere Kreise an. Einsichtige ließen sich weder durch pomphafte Festenoch durch Weltausstellungen über die innere Fäulnis hinwegtäuschen. Eine bestän-dig wachsende Partei, mit dem feurigen Leon Gambetta an der Spitze, predigte lautdie Republik. Obgleich der Kaiser für politische Vergehen 1859 allgemeine Amnestiegewährt hatte, so gab es doch mehrere charakterstolze Republikaner, die sie verschmähtenund wie Viktor Hugo erklärten: „Er verzeiht unS, aber wir verzeihen ihm, demDezembermann, nicht."
XU Der Secessionskrieg.
1861 — 1865 .
Nie Ilnion feit 1780. s.) Das neunzehnte Jahrhundert ist für die
Vereinigten Staaten Nordamerikas eine Zeit riesenhafter wirtschaftlicher Entwicklung.Die unerschöpflichen Hilfsquellen des Landes einerseits, der massenhafte Einwanderer-zufluß anderseits gaben dazu die nötige Grundlage. Während in den Südstaatcnhauptsächlich Baumwollen-, Tabak- und Reiskultur immer größere Dimensionen an-nahmen, vergrößerte sich in den Nordstaaten der Getreide-, WwM. und Bergbau,sowie auch die Industrie. Die AuSfuhr der Baumwolle stieg von etwa 20 MillionenFranken im Jahre 1800 auf 11/- Milliarden im Jahre 1891, so daß man dasamerikanische Sprichwort: „Baumwolle ist König" leicht begreift. — b) Die Ein-wanderung und der wirtschaftliche Aufschwung sind Ursache und Wirkung des be-ständigen Wachstums der Vereinigten Staaten. Die nach Westen liegenden Gebietebevölkerten sich nach und nach, und in fast unaufhörlichen Kämpfen rangen dieWeißen den kulturfeindlichen Eingebornen das Land ab. Fast kein Jahr verging,in dem die Zeitungen nicht von Jndiancrüberfüllen, von Nicdermetzelung der Kolo-nisten, die sich weit nach Westen gewagt, von Rachezügcn der Unionstruppcn zuerzählen wußten. Doch trug die Kultur über die Wildheit in der Regel den Siegdavon. So verwandelten sich die Jagdgründe der Indianer in fruchtbares Ackerlandund manche Strecke, auf der bisher bloß eine jagdtreibende Jndiancrfamilie Nahrung