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Leitfaden für den zoologischen Unterricht in den unteren und mittleren Klassen der höheren Schulen / von Karl Kraepelin
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I. Abschnitt. Die Kreise oder Stämme des Tierreichs.

Fig. 38 a. Fuß einesLöwen.

der beim Kauen an seinem Gegenüber entlanggleitet, wie die beiden Schneideneiner Schere aneinander. Da der Unterkiefer mit Rollengelenk am Kopfe be-festigt ist, so ist eine seitliche Verschiebbarkeit desselben unmöglich. Hinterdem Reißzahn befinden sich die zum wirklichen Kauendienenden wahren Backenzähne; sie sind um so wenigervollkommen ausgebildet, je ausschließlicher ein Raubtiersich von Fleisch nährt (Katzen, Hyänen). Denn Fleisch kannauch verdaut werden, ohne, wie die Pflanzennahrung, sorg-fältig zerkleinert zu sein. Für die Gewandtheit der Raub-tiere bietet unsere Hauskatze ein treffliches Beispiel: IhrRumpf ist biegsam; die Vordergliedmaßen sind wegen desfehlenden Schlüsselbeins sehr beweglich; sie kann klettern,springen, schleichen, durch enge Öffnungen schlüpfen usw.

Die Sinne der Raubtiere sind verschieden entwickelt; baldbesitzen Auge und Ohr besondere Schärfe (Katzen), baldOhr und Geruch (Hunde). Mut, Ausdauer und Klugheit sindebenfalls Eigenschaften, die das Raubtier im allgemeinen bei seinem Mord-gewerbe nicht entbehren kann.

Die Raubtiere sind über die ganze Erde verbreitet, mit Ausnahme Australiens.

Man unterscheidet sechs Familien. DieUnterschiede liegen, abgesehen von der Ge-samtform des Körpers, teils im Gebiß (nament-lich in der Zahl der Backenzähne), teils in derBildung des Fußes, welcher bald mit breiterSohle aufgesetzt wird (Bären; Fig. 38b), baldnur mit den Zehen den Boden berührt (Katze,

Hund; Fig. 38a).

1. Farn. Katzen (Felidae). Die Katzen sind die vollendetsten Raubtiere.Die Beine sind verhältnismäßig kurz. Die Füße besitzen vorn fünf, hinten vierZehen, welche am Ende mit zurückziehbaren unddann in einer Hautfalte verborgenen Krallen be-setzt sind, die erst beim Zug der Beugesehnenach unten schnellen (Fig. 39). Der Boden wirdnur mit den Zehen berührt (Fig. 38 a). Von wahrenBackenzähnen (Mahlzähnen) ist nur jederseits imOberkiefer ein ganz kleiner vorhanden, im Unter-kiefer keiner (vgl. Fig. 37). Die Zunge ist dichtmit kurzen Hornstacheln besetzt (Ablecken derKnochen). - Die Katzen nähern sich ihrer Beutedurch Anschleichen oder lauern ihr auf, um sie dann in gewaltigem Sprungezu erhaschen bzw. niederzureißen. Viele sind auch geschickte Kletterer. Wie

Fig. 38 b. Fuß eines Bären.

Fig. 39. Kralle einer Katze.a zurückgezogen; b vorgestreckt.