VI. Kreis: Hohltiere oder Pflanzentiere (Coelenterata).
Vergleicht man die auf der Oberfläche des Meeres dahintreibenden durch-sichtigen und fast gallertartig weichen Glocken der Quallen mit der unförm-lichen, elastisch-porösen Hornfasermasse eines Badeschwammes oder mitdem steinernen Geäst eines Korallenstockes, so erscheint es zunächst völligunverständlich, aus welchen Gründen Ge-schöpfe von so grundverschiedener Gestaltund Beschaffenheit seitens der Wissenschafteinem und demselben Tierkreise zugeordnetworden sind. Die nähere Betrachtung eineswinzigen Bewohners unseres süßen Wassers,nämlich des an Wasserpflanzen nicht seltenenSüßwässerpolypen, wird uns die Lösungder Frage erleichtern.
Der Süßwasserpolyp (von dem es mehrereArten gibt) stellt sich äußerlich dar als einetwa 1—2 cm langes, schlank zylindrischesTierchen, das mit dem einen Körperende sichfestzuheften vermag, an dem frei in das Wasserragenden anderen Ende aber einen Kranzvon sechs langen Fangarmen oder Tentakelnträgt (Fig. 457), die in spielender Bewegungsind und etwa ergriffene Beutetierchen, wiekleine Krebschen, in den in der Mitte diesesKranzes auf einer kleinen kegelförmigen Er-höhung (dem Mundkegel) befindlichen Mund F,g ' 457 ’ Sußwasser P°bP mit Knospen,stecken. Bei Erschütterung oder sonstiger Störung ziehen sich nicht nur dieFangarme zu kurzen Stumpfen zusammen, sondern es verkürzt sich auch derzylindrische Körper selbst zu einem formlosen Klumpen, was namentlich sofortgeschieht, wenn man etwa das Tierchen mit dem Pflanzenteil, an dem essitzt, aus dem Wasser heraushebt. Es folgt daraus, daß der Körper weichist, und daß seine Wandungen äußerst dehnungs- und zusammenziehungs-fähig sind.