Nagetiere.
39
Schneidezähne sind halbkreisförmig gebogen und wachsen vom Grunde herimmer nach („wurzellose“ Zähne). Nur ihre Vorderseite ist mit hartemSchmelz bedeckt, so daß die Schneide, infolge der Abnutzung des weicherenZahnbeins dahinter, sich immer mehr zuschärft, je mehrsie benutzt wird (Fig. 55). Eckzähne fehlen immer.
Zwischen Schneidezähnen und Backenzähnen ist einegroße Zahnlücke vorhanden (Fig. 56). Die Backen-zähne sind alle von einerlei Form, meist quer schmelz-faltig (Fig. 16a). Der Unterkiefer besitzt zwei lang-gestreckte Gelenkköpfe und kann nach vorn geschobenund wieder zurückgezogen werden (Schlittengelenk). Fig. 55 . SchneidezahnEs wirken infolgedessen die Schneidezähne beim Be- emes Nagetiers -
nagen der Rinde usw. wie Hobel, die Backenzähne wie Feilen. Zur Bloß-legung der Schneidezähne ist die Oberlippe gespalten (Hasenscharte). DieHinterfüße treten meist mit ganzer Sohle auf,die Vorderfüße werden oft nach Affenartzum Halten der Nahrung benutzt. Die fünfZehen sind mit Krallen bedeckt, die beikletternden Tieren sehr scharf und spitz sind.
Die Nagetiere sind kleine, nicht sehrwehrhafte Tiere, welche der Ausrottungdurch das Heer ihrer Feinde hauptsächlichdadurch entgehen, daß sie sich sehr starkvermehren. Sie sind äußerst artenreich undhaben es verstanden, sich allen nur denk-baren Verhältnissen anzupassen, dem Baum-leben, der Ebene, der Wüste, dem Leben unter der Erde, dem Wasser. IhreVerbreitung umfaßt alle Erdteile.
1. Farn. Hörnchen (Sciuridae). Die Hörnchen sind Baum- und Steppentiereder Alten und Neuen Welt, meist mit buschigem Schwanz und vier Backen-zähnen in jeder Kieferhälfte.
Das gentdttC <JidjI)öritcf}eit (Sciurus vulgaris; Fig. 57) ist die Zierde unsererWälder, ein äußerst geschickter Kletterer und Springer (Schwanz als Steuer).Es nährt sich von Baumfrüchten, wie Nüssen usw., die es geschickt mitseinen spitzen unteren Zähnen zu öffnen weiß, frißt aber auch Eier undjunge Vögel. Es baut ein überwölbtes, kugeliges Nest und benutzt hohle Baum-stämme, Krähenhorste usw. als Wohnung. Für den Winter trägt es unterMoos usw. allerhand Vorräte zusammen. Es bewohnt die Waldungen ganzEuropas und Nordasiens. Man kennt braune, graue und schwarze Abarten.
Verwandt sind die merkwürdigen $Iugf;Örnd)en (Sciuropterus) Asiens undAmerikas mit seitlicher Hautfalte als Fallschirm.
Fig. 56. Gebiß eines Nagetiers.