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I. Abschnitt. Die Kreise oder Stämme des Tierreichs.
Die Manteltiere (Tunicata).
Die Manteltiere sind ausschließlich Meerestiere, die trotz der meist sack-förmigen Gestalt in Hinblick auf ihre seltsamen, mit einer gallertartigen Wirbel-säule (Chorda) und einer Art Rückenmark versehenen Larven von vielenForschern als die nächsten Verwandten der Wirbeltiere angesehen werden.
Im einfachsten Falle, nämlich bei den einzeln lebenden Seescheiden, führenin den sackförmigen, außen von einer derb lederartigen oder knorpeligen
Schale (Mantel) umgebenen, dem Meeresboden fest _
angewachsenen Körper zwei nahe beieinander ge-legene Öffnungen. Die eine von diesen ist von ein-ziehbaren Fangärmchen umgeben und stellt denMund dar (Fig. 441M). Sie führt in einen gewaltigerweiterten, mit gitterartig durchbrochener Wandungversehenen Vordarm (KS), in dessen Grunde dereigentliche Darm ( D ) beginnt. Der gitterförmige„Kiemensack“ ist von einem freien Raum umgeben,in den das Atemwasser durch das Gitter fließt, undin den auch der Enddarm mündet, so daß die Aus-wurfsstoffe zugleich mit dem Kiemenwasser aus derzweiten Öffnung (A) unweit des Mundes nach außengelangen (Fig. 441). Ein Herz ( H ) und ein aller-dings nur wenig entwickeltes Nervensystem sindstets vorhanden.
Diese verhältnismäßig einfachen Verhältnisse können zunächst dadurchverwickelt werden, daß die Einzeltiere zu Tierstöcken mannigfacher Artvereinigt sind, die sogar zuweilen freie Bewegung besitzen. Noch abweichendererscheint der Bau bei den durchsichtigen, freischwimmenden Salpen, bei denender geschlossene, reusen-artige Kiemensack der fest-sitzenden Formen durchein schmales Kiemen band(Fig. 442 KB) ersetzt wird,das den weiten Hohlraumdes Körpers durchzieht.
Aus- und Einfuhröffnung(M u. A) liegen in diesemFalle an entgegengesetztenEnden des Körpers. — Die Manteltiere nähren sich von niederen Algen undMeerestieren. Man kennt etwa 400 Arten. Viele (Feuerwalzen, Salpen) leuchtenmit intensivem Lichte (Meeresleuchten).
Fig. 441. Längsschnitt durcheine Seescheide.
Fig. 442. Salpe im Längsschnitt.