Band 
III. Teil.
Seite
58
JPEG-Download
 

58

Zur Geschichte der Griechen.

samtabstimmung über alle zu entscheiden. Bei der Gesamtabstimmungdarüber wurde zuerst der Antrag des Euryptolemos angenommen; alsaber Menekles mittelst eines Eides die Vertagung der Sache durchgesetzthatte, ging in einer zweiten Abstimmung der Antrag des Rates durch.Darauf wurden die acht Feldherren, die die Seeschlacht geliefert hatten,verurteilt und die sechs anwesenden auch wirklich hingerichtet. Alleinkurze Zeit nachher bereuten die Athener die Tat und beschlossen, einevorläufige Anklage gegen die, die das Volk hintergangen hätten, zu er-heben und sie bis zur Entscheidung Bürgen stellen zu lassen; auch Kalli-xenos sollte zu diesen gehören. Die vorläufige Anklage wurde noch gegenvier andere erhoben, und diese wurden von ihren Bürgen gefangengehalten. Indes entkamen sie noch vor der Entscheidung des Prozessesin dem Aufruhr, in dem Kleophon getötet wurde. Kallixenos aberkehrte mit denen, die im Piräus gewesen, in die Stadt zurück, sah sichaber von jedermann so sehr gehaßt, daß er sich zu Tode hungerte.

22. Der Rückzug der Zehntausend (401).

(Tenophon, Anabasis.)

In Persien ging der ehrgeizige Prinz Kyros mit dem Plane um, seinenBruder Artaxerxes vom Throne zu stoßen. Er vermochte den Spartaner Klearchos,ihm 13000 griechische Söldner zuzuführen. Mit diesen und seinem eigenen asia-tischen Heere zog Kyros von Sardes bis zum Euphrat. Bei Kunaxa aber erlitter, trotzdem die Griechen auf ihrem Flügel siegten, eine vollkommene Niederlage;er selbst wurde getötet. Die Griechen, durch die Hinterlist des persischen SatrapenTissaphernes ihrer Führer beraubt, standen nun verlassen im feindlichen Lande,1850 üru von der ionischen Küste entfemt. Tiefe Niedergeschlagenheit befiel sie.Tenophon aber erfüllte sie mit neuem Mute und veranlaßte sie, sich neue Führerzu wählen. Er erzählt darüber folgendes (Anabasis, 3. Buch, 1 u. 2):

Als nun die Feldherren gefangen und die Hauptleute samt denSoldaten, die sie begleitet hatten, umgekommen waren, schwebten dieGriechen in großer Verlegenheit, indem sie bedachten, daß sie vor denToren der königlichen Hauptstadt und rundum überall von vielen feind-lichen Völkerschaften und Städten umgeben wären, daß ihnen niemandmehr Lebensmittel verkaufen würde, daß sie nicht weniger als 10000Stadien von Griechenland entfernt wären, daß sie keinen Wegweiserhätten, während unpassierbare Ströme sie mitten auf dem Marschenach der Heimat hemmten, daß die mit Kyros hinaufgezogenen Bar-baren sie verraten hätten und daß sie allein gelassen dastünden, ohneirgend einen Reiter oder Kampfgenossen zu besitzen, so daß es offen-bar wäre, daß sie im Falle des Sieges nicht einen einzigen derFliehenden niederhauen könnten, im Falle der Niederlage aber kein ein-ziger von ihnen übrig bleiben werde. Dies überlegend und sehr nieder-geschlagen, nahmen nur wenige von ihnen abends Speise zu sich, nurwenige zündeten Wachtfeuer an, und viele kamen in dieser Nacht garnicht ins Lager, sondern jeder legte sich zur Ruhe nieder, wo es der Zufall