Zur römischen Geschichte. Ißg
Ich würd' ihm, beim Herkules, nicht verzeihen, wenn er es bei einemFisch vergessen hätte!"
Aber das tat Trimalchio nicht. Er sagte, nachdem sich seine Mienenwieder aufgeheitert hatten: „Nun, weil du ein so schlechtes Gedächtnishast, so weid' es hier vor uns aus!" Der Koch kleidete sich also wieder an,nahm sein Messer und schnitt dem Schweine den Bauch hier und da mitfurchtsamer Hand voneinander: und es währte nicht lange, so fielen ausden Öffnungen, die von dem Druck der Schwere noch erweitert wurden,allerhand Arten von Würsten heraus. Das Hausgesinde fing, beimAnblick dieses Wunders, ein großes Klatschen an und wünschte demGajus Glück. Der Koch wurde nicht allein mit einem Trunk geehrt,sondern es wurde ihm auch eine silberne Krone aufgesetzt, und manüberreichte ihm zugleich in einem Becken von korinthischem Erze einenBecher ...
Darauf kam eine Bande hereingetreten und schlug Spieß und Schildzusammen. Trimalchio selbst setzte sich auf ein Polster, und während derZeit, daß die Homeristen in griechischen Versen sprachen, las er mitHeller Stimme den Text lateinisch her. Und während einer Pause sagteer: „Wißt ihr den Inhalt von dem, was sie vorstellen? — Diomed undGanymed waren zwei Brüder, ihre Schwester war Helena. Agamemnonentführte sie und unterschob statt ihrer der Diana eine Hirschkuh. Nunaber erzählt Homer, wie die Trojaner und Tarentiner miteinander des-wegen streiten. Nämlich er, Agamemnon, trug den Sieg davon undgab seine Tochter Jphigenia Achill zum Weibe; Ajax wurde darüberrasend, wie ihr gleich sehen werdet."
Als Trimalchio dies so schön erklärt hatte, erhoben die Homeristenein Geschrei, und unter einem Gewimmel von Sklaven wurde ein ganzesgebratenes Kalb, mit einem Helme auf dem Kopfe, in einer silbernenSchüssel Herbeigetragen. Ajax folgte hinterdrein und hieb mit gezücktemSchwerte, als ob er wütete, darauflos, hieb es in Teile und teilte unter dieZuschauer auf diese Art das ganze Kalb aus. Aber es war uns nicht langeerlaubt, diese feinen Kunststückchen zu bewundern; denn plötzlich fing dieDecke an zu krachen, so daß der ganze Speisesaal davon zitterte. Ganzerschrocken richtete ich mich in die Höhe, besorgend, es möchte irgend einSeiltänzer die Decke herabgestiegen kommen; und nicht weniger richtetendie übrigen Gäste verwunderungsvoll ihre Häupter empor und er-warteten, daß etwas Neues vom Himmel verkündigt würde. Auf ein-mal tat sich die Decke voneinander, und ein ungeheurer Reif wurde plötz-lich herabgelassen, wie von einem großen Weingefäße, an dessen Run-dung goldene Kränze und Salbenbüchsen von Alabaster hingen. Auf-gefordert, diese Geschenke zu nehmen, sah ich nach der Tafel. Da standschon wieder ein Brett mit Kuchen hingezaubert, in der Mitte ein ge-backener Priap (Gartengott), der in seinem ziemlich weiten Schoßeallerlei Früchte und Trauben trug. Begierig streckten wir die Hände