Proben aus der antiken Dichtung.
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Ist doch einmal zum Sterben bestimmt; ob gering oder vornehm,Niemand kann entfliehen dem Tod. Drum, teuerste Freundin,
Froh genieße das Leben, solang das Schicksal dir hold ist!
Ach! wie schnell verrinnet die Zeit!"" — Es ließ sich die FeldmausLeicht von der Freundin bereden und machte sich fertig zur Reise.Rüstig wanderten beide den Weg und bemühten sich emsig,
Noch bei Nacht die Stadt zu erreichen. Es hatte die Nacht schonHalb ihre Bahn vollendet, da setzten die WandergenossenBeid' ihre Füß in ein prächtiges Haus, wo purpurne DeckenScharlachrot herglänzten auf elfenbeinernen Sesseln;
Auch vom stattlichen Mahl war viel noch übrig an Vorrat,
Welcher von gestern noch in gespeicherten Körben sich vorfand.
Als ihren Gast vom Lande auf purpurnem Lager die StadtmausSorglich gebettet, läuft selbst sie umher als geschäftige Wirtin,
Reicht ihr Bissen um Bissen, kredenzt ganz, wie sich's geziemet:
Denn sie lecket zuvor von jeglichem, was sie zu Tisch bringt.
Jene, behaglich gedehnt, ist froh des veränderten Loses,
Und sie benimmt, ganz glücklich, als fröhlicher Gast sich. — Da schleudertLautes Gekrache der Türen vom Pfühle plötzlich die beiden.Angstvoll rennen und laufen sie durch das Gemach; doch noch ärgerFaßte sie tödlicher Schreck, als Doggengebell das erhab'UeHaus durchdröhnte. — Da sagte die Feldmaus: „„Nimmer behagt mirSolch ein Leben. Gehabe dich wohl! da wohn' ich doch lieberDraußen am Wald im sicheren Loch und knuspere Wicken.""
(Wolfs „Klassisches Lesebuch".,
Ovid.
43—8 n. Chr.; starb in der Verbannung am Schwarzen Meere, wohin ihnAugustus geschickt hatte, angeblich, weil eins seiner Gedichte sittlichen Anstoß erregthaben sollte, in Wirklichkeit aber, weil er unbequemer Mitwisser eines die kaiserlicheFamilie bloßstellenden Geheimnisses war. Außer vielen Liebesliedern dichtete er6 Bücher Fasti, einen römischen Festkalender mit den zu den einzelnen Festen ge-hörenden Sagen, und die Metamorphosen, die in 15 Büchern alle in der griechischenund römischen Sage vorkommenden Verwandlungen erzählen. Aus der Zeit seinerVerbannung stammen die Tristien.
Aus den Liebesliedern.
Wer liebt, der ist ein Krieger auch!
Sein Lager hält der Liebesgott.
Ich sag' es frei, ohn' allen Spott:
Wer liebt, der ist ein Krieger auch.
(Stowasser.)
Aus den Metamorphosen.
Erst entstand die goldene Zeit: ohne Rächer und Richter,Ohne Gesetz, freiwillig, taten die Menschen, was recht ist.
Schmieder, Quellen zur Geschichte des Altertums.
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