2-zzste Beobachtung
konnte, die ganze Veränderung vielmehr dem offenen Lichte zuzuschreiben war. Ichsagte auch, daß ich ein anderes mit derselben Materie gefülltes Glas an einemschattigen Ort hinterlegte. So oft ich nachsah, behielt diese Materie dieselbe weißlicheFarbe und zeigte in keinem ihrer Teile auch nur die Spur irgendeiner Veränderung.So wird auch, was ich oft erprobt habe, eine mit Scheidewasser erzeugte Silber-lösung an einem sehr schattigen Orte nicht verdunkelt werden: sobald sie aber derSonne ausgesetzt wird, erhält sie eine dunkelrote, zu blau neigende Farbe.
Ich sah, daß es noch übrig, blieb, die Ursachen der dargestellten Wirkungen zuerforschen; denn ich war der Überzeugung, dies alles hänge von der Vermischungdes Scheidewassers mit der Kreide ab und ich weiß nicht, was ich über die Wirkungdes auf diese Körper tätigen Lichtes philosophierte; es war mir nämlich ganz entfallen,daß jenes Scheidewasser, welches ich gebraucht hatte, durch — wenn auch kleine —Mengen von Silber verändert oder wie wir zu sagen pflegen, „gefällt" war. Es wardaher eine glückliche Fügung, daß es mir in den Sinn kam, dieselben Versuche vonAnfang an zu wiederholen. Es war mir damals durchdringend rauchende Salpeter-säure zur Hand, wie sie mit Hilfe von Vitriolöl erzeugt wird. Diese milderte ichdurch einen starken Wasserzusatz, damit sie die Kreide nicht gänzlich auflöse und be-gann in dieser Weise die Kreide zu befeuchten. Obwohl ich nun die Arbeit beihellstem Sonnenlichte durchführte, konnte ich doch jene merkwürdige Farbenänderungnicht im mindesten wahrnehmen. Ich versuchte daher die Sache mit Scheidewasser,wie es in pharmazeutischen Offizinen verkauft wird. Der Erfolg war derselbe, wieich ihn mit der Salpetersäure beobachtet, nicht der, den ich vermutet hatte. Daherbin ich auf den Gedanken gekommen, daß jenes Scheidewasser, welches ich zuerstverwendet hatte, infolge der darin enthaltenen Silberteilchen diese Erscheinungenerzeugt habe.
Zu dieser Einsicht gelangt, löse ich eine Silbermenge in Scheidewasser, verdünnedie Lösung mit Wasser und befeuchte, wie vorher, die Kreide. Es zeigen sich nundieselben Erscheinungen, doch trat jene Farbe jetzt weit deutlicher hervor, da einegrößere Menge Silberteilchen in der zur Befeuchtung angewendeten Flüssigkeit ent-halten war. Im Gegenteil nahm ich wahr, als ich den Versuch mit Scheidewasserwiederholte, in welchem so viel Silber enthalten war, als darin gelöst zu werden ver-mochte, daß sogar jene Stellen des Glases, welche von den Sonnenstrahlen nicht un-mittelbar getroffen wurden, sofort eine nicht starke Schwärzung durch die reflektiertenStrahlen erlangten. Dieselbe Lösung, durch Wasser verdünnt, und nicht mit Kreidevermischt, sehte ich in einem offenen Glase den Sonnenstrahlen aus und nahm wahr,daß in der Flüssigkeit ebenfalls jene schwärzliche Farbe entstand.
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