Rothgerbee
Bock- und Geis - Häute auf r. Susen, welcheer allein mit Hülffe seines Weibes und einerMagd heraus arbeiten solle, und zwar ohne ei-nigen Haupt-Mangel. Wann solches gesche-hen, so muß er sich bey den Geschwornen an-melden, wann diese nun das Leder besichtiget,und keinen Haupt-Mangel befinden, so wirdihm Glück gewünschet, und er alsdann vor demhochlöblichen Fünffer-Gerickt und Rugs - Amtvorgestellt, und allda zum Meister gesprochen,worauf er erst cinkauffen, verkauffen und Han-thicren darff, da er vorher» unter wahrenderVerfertigung der Meisterstücke vondemSei-nigc» hat zehren müssen. Bey den meistenRothgerbern ist vieler Orten der Gebrauch,daßman wegen der Meisterschafft ein gewissesStück Geld in das Handwerck geben muß, we-gen der Gesellen. Denn an ihine selbst ist dasGerber-Handwerck kein geschcncktcs Hand-werck. In Allgspnrg, Nieder - Sachsen undden See-Städten wird dasGcschenck gehal-ten, wie es bey andern Handwerckern üblichund im Gebrauch ist. Sonsten aber reisen dieTeutschen Gesellen, geiEniglich aufBrcinen,Hamburg , Lübeck , Rostock , Dany>g,Elbingcn,Königsberg , und angrantzendc Oerter, allwo sieallenthalben paßiren, gemeiniglich aber besu-chen sie auch Schweden,Dännemarck und Hol land , allwo man allenthalben die Teutschen Ge-sellen gar gerne fördert; wann sie aber wiederzurücke kommen, und haben an besagten Ortengearbeitet, so werden sie »ach Erkänntniß derGeschwornen abgestraffct. Was die Arbeit be^trifft, so wird das sogenannte Pfund-Lederaus den schwersten Ochsen-Häute» verfertiget.Solches zu bereiten aber ist vor 70. Jahren beyden Teutschen noch wenig bekannt gewesen,son-dern mcistentheils in Lngelland und Brabantverfertiget worden, heutiges Tages aber wirddas meiste in Nürnberg gearbeitet, und sehrweit und breit verführet. Mitsolchem rothenLeder muß man eine ziemliche Zeit zubringen,biß es einen Nutzen giebt und maiis verkauffenkan. Denn erstlich muß man mit grofferBe-schwernrß die Haare herunter bringen, hernachdas Fleisch allenthalben sauber heraus schaben,und aus der Erden rein machen, alsdann giebtman mit Wasser und Fichten - Eichen - oderBicckcn-Lohe eine Farbe,breitet die Haute her-nach in grosse Gruben, welche in die Erde ge-graben sind, von einander, überstreuet iedemit gedachter Lohe, und thut sie darausetlichemahl wieder heraus, biß es wohl durchgewir-ckct ist, da man dann das Leder abtrucknet underst verkanffcii kan. Es kan aber solches Lederauf das wenigste unter einem halben Jahrnicht gar gemachet werden. In Oesterreich werden zu solchem Leder inchrenthcils Kappengenommen, ist eine Frncht, so an den Elch-Bäumen wachset. Was aber das so genannteHungarische Leder betrifft, welches die Satt-ler zu ihren Geschirren gebrauchen,wird solcheseberpefertiget, indem man die Haut so bald sievom Ochsen herab kommen, durch ein Wasserziehet, und von demselben auf einem Baumdas gröbste Fleisch, so noch daran ist, herausschneidet, die Haare mit einer scharffen Sensen
Roth Rvthwelsch
1616
^erab scheeret, alsdann mit einem slall-tzautlem so noch daran ist, hcMÄ LHaut >n Alaun und Saln einmache,'Lzwey Tage also liegen lässet, hemachM«und abtrocknet, lerner mit einer Recken 2weich machet, Mit Inschlit anschmiere «durch glühende Kohlen eintrocknet, » Js°lch/eder völlig bereitet ist, und wtaffj,bcn kam Mit den itohrothcn oder Sch«,,Leder hat es folgende Bewaudniß: UMzu erst m Kalch und Aschen geworffm, ^crnacb,sodieHaare lossmd, abgehaaret,undftiJschabet, sauber ausgeflrichen, hiemf j„ wLoh gemachet, mit warineu Wasser auki»mct, imb mit Söffen in Spitz-Kufen lWüi-te» aber m Zieh - Löchern herum geiriekin Usolches steiffund gar ist. Theils OrlmMsmit Lohe gesiillet, oder geschmacket, bitzck(«iedie Loh - Gerber reden) seine Tau HaiWann nun solche Haute oder Felle geaMGwerden sie hernach bereitet, entiocder sch«,roth, oder was man sonst für eineFarbehchnwill, bißweilen auch verguldet, und nischmModel gedrückct, dergleichen in AnißerbMsehr viel verfertiget wird, womit manhernchan vornehmer Herren Hosen die Zimmer si-kleidet. Solches Leder zu verguiden iß fenjan ihme selbst eine alte Kunst, und liesetimii,daß Käyser coinmollu-. der allbewtvMMIghren regieret, ei» Pferd, mit güldenen ki-der bedecket, aufdie Renn-Bahn sührenlchn.Betreffend letzlich das so geiiannte UMschwarg - trockene Leder, so brauchtMni»Fisch-Thran, womit maneseinschmierchirieauch Leiii-Ocl. Der hierzu benöthigte Weck-zeug bestehet in Schab-Eisen, Form-W»,Schlicht und Bimscn-Stein rc. , ,
Roth Gülden-Ery, Rothgültig Lry,iß«braun-rothe, und zum öfftecnwiennMidurchsichtige Art von reichen SilberMe,Die Medici und Chymici pflegen eine besmdc-pe Artzeney hieraus zu verfertigen. Es ißauchwohlgleiffend, Zicgel-fardig, „ndnichtdlich-sichtig, icdoch, ie rothbrauner es ist, i«»ist es; bricht gemeiniglich in weiffm LM,Hornsiein und Schwartzschürbel.
Roth-Achlichen, s. Kub-cui-.
Roth-Lauff, s. Rose. ,
Rothmachung, lcubrnrion. heistinbekMMt
eine Beschickung des Silbers, da mchr Mals weiß, mehr Kupffer als Silber genomm
Roth Nachtschatten, s. Juden-Lirsche».
Roth- oderSeidenschwantz, s.?k>«">cmm.
Roth - Stein, s.Lubrica.
Rothwelsch, ist eine gautz besondere, >"“artis gebrachte Bettler- oder Diebs-Spr«
che von derwahreiisslgeuner-Sprache
lichunterschieden,>nwelcheralerhail» ;vornehmlich Hebraistbe Werter, mt e»flickt, und hierdurch die gew°h«luhm Msehen so unverständlich gemacht «ordenW «Spitzbuben, wenn sie gleich dem » MTeutsch mit einander fpreetjenierarigg
um(ie6en&en£eutf<^so^^gg
Diaiecti unkundig, gar sehr schwerlich ver>Mden werden könne». M-