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Drittes Capitel. Chlor.
Das Chlor in Yerbindung mit basischen Metallen, mit denen esSalze bildet, kann am vollständigsten durch eine titrirte Silberlösung ge-fällt werden. Da es durch doppelte Zersetzung mit dem Silber sich zuChlorsilber vereinigt, so jnuss es in der zu fällenden Verbindung ingleicher Art vorhanden sein wie in dem Chlorsilber. Ist das Chlor miti einem Körper in Verbindung, welcher in seinen chemischen Beziehungensehr vom Silber abweicht, so kann es nicht mit Silbersalzen gefällt wer-den. So z. B. nicht im Chlorkohlenstoff, Chlorphosphor. In der Chlor-säure ist das Chlor nur die Grundlage einer Sauerstoffsäure, und kannebenfalls nicht als Chlorsilber gefällt werden. Bei der grossen Unlös-lichkeit des Chlorsilbers in Wasser und in Salzlösungen mit Sauerstoff-säuren sieht man die Fällung des Silbers als vollständig an. Das Chlor-silber ist jedoch merkbar löslich in Lösungen von Chlorkalium, Chlor-natrium, Chlorammonium, Allein diese Verbindungen können bei unserenOperationen im letzten Augenblicke gar nicht mehr vorhanden sein, weilwir gerade eine vollständige Zersetzung der Chlormetalle beabsichtigen-
Die Silberlösung, welche zu diesen Fällungen dient, ist die ge-wöhnliche zehentnormale mit ^ Atom = 10,797 Grm. Silber im Litre.
Zu verschiedenen Operationen muss sie neutral sein, und es ist deshalbzweckmässig, dass man die ganze Menge neutral mache. Das gewalzteund genau abgewogene Silber wird in reiner Salpetersäure gelöst, wo-* bei das Gefäss mit einem concaven Glase bedeckt ist, um Verlust durchSpritzen zu vermeiden. Nachdem die Lösung vollständig statt gefun-den, spritzt man das Deckglas mit destillirtem Wasser in die Flüssig-keit ab, und lässt ohne Kochen an einem warmen Orte oder im Sand-bade zur Trockne verdampfen. Man löst in destillirtem Wasser aufund spült mit reichlichem Abwaschen in die Litreflasche, die man bisr an die Marke anfüllt und durch Umrütteln innig mischt.
Als Gegenflüssigkeit bereitet man sich eine Kochsalzlösung, welche
— Atom = 5,846 Grm. trockenes Kochsalz im Litre enthält. Das
Nähere zur Bereitung dieser Flüssigkeit wird im folgenden Capitel unterSilberanalyse mitgetheilt werden.
Die Atomgewichte des Silbers und des Chlors sind diejenigen,welche mit der grössten Schärfe bekannt sind. Sie sind sogar durchFällungen geprüft und festgestellt worden, also durch dieselbe Operation,womit wir sie in Anwendung ziehen. Wenn man reine Substanzen an-wendet, so sind die richtig bereiteten Probeflüssigkeiten ganz gleich-werthig, d. h. sie zersetzen sich in gleichem Volumen.
Zwei sehr genau getheilte Quetschhahnbüretten wurden neben ein-ander aufgestellt, und aus jeder 30 CC. in ein reines Glas ablaufen ge-lassen. Als nach tüchtigem Umschütteln und Erwärmen die Flüssigkeitsich abgeklärt hatte, wurden zwei Portionen in zwei Reagenzgläserklar abgegossen. In der einen w'urde 1 Tropfen Silberlösung, zu der