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Drittes Capital- Chlor.
Resultate ebenfalls genauer ausfallen. AuchLiebig hatte dies schonbemerkt, und zur Bindung der freien Säure eine concentrirte Lösungvon Glaubersalz zugesetzt. Die Verbesserung der Chlorbestimmungdurch Silber macht es überflüssig, diesen Gegenstand weiter zu verfol-gen. Bis jetzt hatte das salpetersaure Quecksilberoxyd vor den Silber-salzen den Vorzug, dass das Ende des Versuches durch den Anfang derReaction angezeigt wurde. Bei Anwendung der Silberlösung war sonstder Versuch beendigt, wenn kein Niederschlag (keine Reaction) mehrwahrnehmbar war. Durch Hinzuziehen des chromsauren Kali ist auchdie Silberlösung in die erste Kategorie getreten, indem die Entstehungdes chromsauren Silberoxyds, also eine sichtbare Reaction, das Ende desVersuches bezeichnet.
Bei der Chlorbestimmung im Harne gab mir eine möglichst neu-trale Quecksilberlösung, welche auf Kaliumeisencyanid gestellt war, guteResultate.
5,85 CC. Harn erforderten :
1) 16,3 CC. Silberlösung,
2) 16,4 CC. Quecksilberlösung,
3) 16,35 CC. „
Aus dem Versuche 1) kann ich -schliesseu , dass die Versuche 2)und 3) richtig sind, aber nicht umgekehrt. Der Zusatz von Kaliumeisen-cyanid zum Harne gab keine richtige Resultate. Es entstehen viel zufrühe Trübungen, welche jede Beurtheilungen über den Verlauf derOperation unmöglich machen. In einem Harne , welcher bei 16,3 CC.Quecksilberlösung eine bleibende Trübung zeigte, erschien unter Zusatzvon Kaliumeisencyanid schon eine solche bei 5 bis 6 CC. Quecksilber-lösung ; dieselbe nahm bei fernerem Zusatz langsam zu , allein an derbedeutsamen Stelle von 16,3 CC. konnte keine deutliche Veränderungmehr wahrgenommen werden. Wenn also die salpetersaure Quecksilber-oxydlösung bei reinen Chloriden durch den Zusatz von Kaliumeisen-cyanid wesentlich gewonnen hat, so dehnt sich dieser Vortheil nichtauf die Harnanalyse aus, und es wird bei dieser wohl die Anwendung derSilberlösung den Vorrang behalten.
Ueberhaupt bezweifle ich, ob die Quecksilberlösung häufige Anwen-dung wird finden können, wegen der ungemeinen Empfindlichkeit, wel-che das Kaliumeisencyanid gegen die kleinsten Spuren gelöster Metallehat, indem man selten eine zur Analyse sich darbietende Substanz sofrei von diesen Körpern finden wird, dass sie nicht schon von selbsteine Trübung veranlasste. Auch hier wird die Silberlösung den Vor-zug behaupten.
Die Bestimmung des Chlors in Mineralwassern ist so leicht und ein-fach, dass man sie ganz bequem an der Quelle selbst vornehmen kann,wenn man mit den Flüssigkeiten, einer Pipette und einer Bürette verse-hen ist. Da die Gehalte der Mineralwasser meistens auf 10000 Theileangegeben werden, damit die Hauptbestandtheile wenigstens als ganze