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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Vierter Abschnitt'. Fälluugsanalysen.

Viertes Capitel.

Chlor, Brom und Jod in salzartigen Verbin-dungen zusammen.

119) 1 CC. Silberlösung = 0,014343 Chlorsilber.

Wenn diese drei Salzbilder alle zusammen oder je zwei zusammenin einer Verbindung Vorkommen, so kann man, wegen der grossen Aehn-lichkeit des chemischen Verhaltens derselben, eigentliche Trennungsme-thoden in den meisten Fällen nicht anwenden, sondern die Bestimmunggeschieht auf indirectem Wege.

Man kann Chlor und Jod annähernd durch die Löslichkeit desChlorsilbers in Ammoniak und die Unlöslichkeit oder Schwerlöslichkeitdes Jodsilbers trennen. Die Resultate gehören aber nicht zu denschärfsten.

Ausserdem lässt sich Jod durch sein Verhalten zu neutralem Eisen-chlorid von Chlor und Brom trennen. Da ein eigentliches Eisenjodidnicht zu existiren scheint, oder sich wenigstens durch blosse Erhitzungin Eisenjodür und Jod trennt, so kann man aus einer Jodverbindungdurch Destillation mit überschüssigem Eisenchlorid die ganze Menge desJods als solches ausscheiden und am besten nach der Arsenikmethodemaassanalytisch bestimmen.

Es bleibt alsdann in der Flüssigkeit eine dem Jod entsprechendeMenge Eisenchlorür, welche mit Chamäleon bestimmt werden kann.Wenn demnach alle drei Salzbilder zugleich vorhanden sind, so kannman das Jod durch die genannte Methode isoliren und allein bestimmen.Wollte man im Rückstände der Destillation noch das Chlor und Brombestimmen, so müsste man statt des Eisenchlorids ein anderes Eisenoxyd-salz , beispielsweise schwefelsaures Eisenoxyd - Ammoniak oder schwe-felsaures Eisenoxydkali (Eisenalaun) anwenden. Im Allgemeinen kom-men aber die drei Salzbilder sehr selten zusammen vor, und der häufig-ste Fall ist jener, wo viel Chlor mit wenig Brom (Mutterlaugen der Sa-linen), viel Chlor mit wenig Jod (Kelp, Varec), oder viel Jod mit we-nig Chlor (künstliche Jodpräparate, unreines Jodkalium) zusammen Vor-kommen.

Chlor und Brom *).

Diese beiden Körper können analytisch gar nicht getrennt werden.Die Löslichkeit beider Silberverbindungen in Ammoniak ist sehr wenig

') Vergl. Annab d. Chem. u. Pharm. Bd, 93, S. 76.