27
Viertes Capitel. Chlor, Brom und Jod.
verschieden, und es giebt auch bis jetzt keinen Körper, welcher einender beiden Stoffe ohne den anderen durch Destillation zu trennen erlaubte.Es bleibt also ihre Trennung, wie bisher, der indirecten Methode über-lassen. Die älteste und gewöhnlichste Art der Ausführung besteht darin,dass man einen Theil von dem bromhaltigen Silberniederschlage, dessenGewicht im Ganzen bestimmt wurde, in einem Strome von Chlorgas er-hitzt, bis er keine Gewichtsabnahme mehr zeigt, und aus dem ermittel-ten Gewichtsverluste das Brom berechnet.
Eine Modification besteht darin, dass man den gemischten Nieder-schlag ganz und gar in einer Kugelröhre mit Wasserstoffgas reducirt,und aus dem Gewichte des trockenen Niederschlags und jenem des darinenthaltenen metallischen Silbers das Brom berechnet, oder endlich, dassman den Niederschlag mit Zink reducirt, was jedoch Rose als unge-nau verwirft.
Alle diese Operationen sind sehr mühsam; sie erfordern ein meh-rere Stunden dauerndes Glühen und Entwickeln des Chlorgases, so wieviele Wägungen, und dürfen nur mit kleinen Mengen Substanz ausge-führt werden, wenn die Operation nicht Tage lang dauern soll. Dadurchwird von einem Theile auf das Ganze geschlossen und der Fehler injedem Falle multiplicirt.
Eine wesentliche Verbesserung hat die Methode durch Fehlingerhalten, welcher entdeckte, dass bei theilweiser Fällung der Chlor- undBrom Verbindung mit Silber der ganze Bromgehalt in dem ersten Nieder-schlage enthalten sei. Denn obschon Chlor grössere Affinität zu denMetallen hat, als das Brom, so veranlasst dennoch die grössere Unlös-lichkeit des Bromsilbers gegen das Chlorsilber einen allmäligen Aus-tausch, bis alles Brom gefällt ist.
Es gehört deshalb zur vollständigen Fällung eine längere Digestiondes Niederschlages und öfteres Umschütteln, damit alles Brom wirklichin den Niederschlag komme. Warum Fehling eine Erwärmung desNiederschlages in der Flüssigkeit vermieden haben will, konnte ich nichtfinden, da eine solche bei genügender Verdünnung und späterer Abküh-lung die Zersetzung nur beschleunigen musste.
Fehling behandelt nun einen bestimmten Theil des gewogenenNiederschlages in einer Kugelröhre mit Chlorgas in bekannter Weise.
Um diese so langwierige, auch leicht zu Täuschungen und Fehlernführende Methode, wenn unzersetzte Bromsilberüberreste umhüllt blei-ben, zu vermeiden, habe ich die Sache gerade umgekehrt. Ich wägedas reine Silber , was ich zur Fällung nehme, und wende dies ganz an.Bestimme ich nun noch das Gewicht des aus dem Silber erhaltenen Nie-derschlages, so habe ich alle Data, um das Brom zu berechnen. Es lässtsich nicht leicht ein Körper reiner darstellen und schärfer abwägen, alsreines ausgewalztes Silber. Nachdem man das Silber in derjenigenMenge abgewogen hat, dass es in jedem Falle hinreicht, den ganzenBromgehalt und noch einen Theil des Chlorgehaltes zu fällen, bringt