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Vierter Abschnitt. KäUungsaualysen.
inan es in eine Kochflasche, löst es in verdünnter Salpetersäure ohneVerlust auf, und fügt die zu untersuchende Flüssigkeit, gewogen odergemessen, hinzu. Man lässt das Ganze 24 Stunden unter öfterem Um-rütteln stehen und bestimmt das Gewicht des Niederschlages. Das kannmit oder ohne Filtration geschehen. Im ersten Falle bringt man denganzen Niederschlag auf ein Filtrum, dem man ein anderes von demsel-ben Papiere ganz gleich gemacht hat. Nach gehörigem Auswaschentrocknet inan beide Filter in demselben Banme, zuletzt bei mindestens120° C. (96° R.), legt beide zwischen zwei Paar ganz gleich gemachtenUhrgläsern auf die Wage, und bestimmt das Mehrgewicht des mit demNiederschlage versehenen Filters.
Ohne zu filtriren lässt man die Flüssigkeit in einem vorher gewo-genen Porzellantiegel absetzen, zieht die klare Flüssigkeit mehremal miteinem Quetschhahnheber ab, bis das Wasser auf Platinblech keine Fle-cken mehr lässt, trocknet dann aus und bestimmt das Gewicht des Nie-derschlages. Da von dem Silberniederschlag immer kleine Theilchen aufder Oberfläche schwimmen, so hat man Sorge zu tragen, dass man mitdem Heber nur den mittleren Theil herausziehe.
Man hat demnach zwei Thatsachen: 1) das absolute Gewicht desbrom- und chlorhaltigen Silberniederschlages durch unmittelbare Wägung;2) das Gewicht des darin enthaltenen Silbers aus der zur vollständigenFällnng beider Körper nöthigen Silbermenge.
Wir gelangen nun durch folgende Betrachtung zur Berechnung desBroms und des Chlors in der Verbindung.
Bei der gleichen Menge Silber wiegt Bromsilber mehr als Chlorsil-ber, und zwar gerade so viel, als das Atom Brom schwerer ist, als dasAtom Chlor. 187,94 Bromsilber geben, wenn man durch einen StromChlorgas das Brom in der Ilitze austreibt, 143,43 Chlorsilber. Wir ma-chen die letzte Operation nicht, sondern berechnen die Menge des Chlor-silbers aus den verbrauchten CC. Silberlösung. Jeder CC. entspricht
10000 "^ tom °^ er 0,014348 Grm. Chlorsilber. Wir haben also die ver-brauchten CC. Silberlösung mit 0,014343, wozu Nr. 119 der Tafeln dient,zu mnltipliciren, um das Gewicht des dem Silber entsprechenden Chlor-silbers zu erhalten.
D er Unterschied zwischen l Atom Bromsilber (187,94) und 1 AtomChlorsilber (143,43) ist 44,51, und es ist einleuchtend, dass für 1 AtomBromsilber, welches 1 Atom Brom enthält, dieser Unterschied con-stant ist.
Wegen dieser Proportionalität fragen wir, mit welcher Zahl manden gefundenen Unterschied multipliciren müsse, um Brom zu erhalten.Es ist also:
79 97
44,51 . x — 79,97, woraus der zu suchende Factor = . . —
44,51
= 1,796 sich herausstellt.