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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Viertes Capitcl. Chlor, Brom und .Tod.

Man hat also den Unterschied zwischen dem gewogenen Brom undChlorsilberniederschlag und dem berechneten reinen Chlorsilber mit1,796 zu multipliciren, um das Brom in Grammen zu erhalten.

Der Niederschlag mag so viel Chlorsilber enthalten, wie immer, diesübt auf das Resultat keinen Einfluss. Denn wäre er reines Chlorsilber,so wurde er so viel wiegen, als die Berechnung aus dem Silber ergiebt.Es existirte alsdann keine Differenz, folglich wäre auch der Brom-gehalt Null.

In gleicher Art kann man auch den Chlorgehalt berechnen. DieDifferenz 44,51 ist auch proportional mit 1 At. Chlor. Man sucht alsodie Zahl, womit die Differenz zu multipliciren ist, um das Chlor zu er-halten, in gleicher Art durch den Ansatz:

44,51 . x = 35,4635,46

woraus x = . . = 0,796.

44,51

Die beiden Zahlen 0,796 und 1,796 verhalten sich wie die Atom-gewichte des Chlors und Broms , aus denen sie durch Division mit der-selben Zahl (44,51) entstanden sind.

Es ist einleuchtend, dass je grösser der Bromgehalt, des Gemengesist, desto grösser auch die Gewichtsdifferenz des gemischten und des aufChlorsilber berechneten Niederschlages ist, und dass alsdann das Resul-tat zuverlässiger werden müsse. Da in den meisten Fällen der Brom-gehalt gegen den Chlorgehalt sehr klein ist, so ist dem Umstande einergrossen Differenz kein Vorschub geleistet. Darin besteht schon derVorzug von Fehlings Methode, dass er durch theilweise Fällung einenweit bromreicheren Niederschlag erhält. Ich habe, diesen Weg verfol-gend, ein noch schöneres Resultat erhalten, indem ich das Brom isolirteund dadurch einen Niederschlag erzeugte, der den ganzen Bromgehalt.einschliesst und so rein ist, dass er gelb erscheint.

Wenn man Bromsalze mit Salzsäure und Braunstein destillirt, sogeht erst alles Brom über, und man kann den Moment, wo das letzteBrom übergeht, ganz scharf erkennen, indem in der Röhre gelb undfarblos dicht an einander stossen. Es kommt nicht darauf an, dass nichtauch etwas Chlor übergehe, wenn nur alles Brom übergegangen ist.

Das Brom leite ich in überschüssiges Ammoniak, worin sich Brom-ammonium bildet. Dieses wird mit Salpetersäure angesäuert, und unterZusatz von chromsaurem Kali mit Zehentsilberlösung ausgemessen.Der Niederschlag ist licht citronengelb und fast reines Bromsilber, des-sen Gewicht bestimmt wird.

Aus dem Gewicht des gewogenenen und des zu Chlorsilber berech-neten Niederschlages findet man, wie oben, das Brom. Diese Methodeist ganz besonders am Platze, wenn der Bromgehalt allein mit grosserSchärfe bestimmt werden soll, wie in den Mutterlaugen der Salinen, woder Chlorgehalt eine fast gleichgültige Sache ist.

Anwendungen dieser Methoden mit Belegen sind an der bezeieh-