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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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30 Vierter Abschnitt. Fällungsanalysen.

neten Stelle der Annalen der Chemie und Pharmacie, Bd. 93, S.76, vonmir mitgetheilt worden.

Chlor und Jod.

Das Jod kann vom Chlor durch Eisenchlorid getrennt und für sichbestimmt werden. Ausserdem ist die indirecte Methode ebenfalls zuläs-sig, und wird in ganz gleicher Art, wie bei Brom und Chlor ausgeführt.

Ich stellte folgende Analyse an : 0,2 Grm. reines trockenes Jodka-lium wurde mit chromsaurem Kali versetzt und mit Silberlösung aus-titrirt. Es wurden 12,2 CC. verbraucht. Diese berechnen sich (nach Nr. 98)auf 0,2025 Grm. Jodkalium. Dann wurden 0,2 Grm. reines Chlorkaliumdazu geworfen, und aus derselben Bürette auch dieses ausgemessen. Eswurden im Ganzen 39,15 CC. Silberlösung, als auf das Chlorkalium26,95 CC. verbraucht. Diese berechnen sich zu 0,20096 Grm. Chlor-kalium. Ich habe diese getrennten Fällungen vorgenommen, um schoneine Controle über die richtigen Bestimmungen der Bestandtheile einzelnzu haben. Bei einer wirklichen Analyse, wo die beiden Bestandtheilevon vorn herein gemischt waren, würde ich einfach nur die Endzahl39,15 CC. Silberlösung erhalten haben.

Der getrocknete gemischte Niederschlag wog 0,672 Grm., und39,15 CC. Silberlösung berechnen sich zu 0,561 Grm. Chlorsilber. DieDifferenz beider Zahlen ist 0,111, und diese, mit 1,3878 multiplicirt, ge-ben 0,154 Grm. Jod. Nach der Berechnung ist aber 0,153 Grm. Joddarin enthalten; also eine sehr befriedigende Uebereinstimmung.

Der Factor 1,3878 wurde in derselben Art, wie oben beim Bromund Chlor, gefunden. Der Unterschied von 1 At. Jodsilber und 1 At.Chlorsilber, oder, was dasselbe ist, von 1 At. Jod und Chlor ist126,88 35,46 = 91,42. Womit ist die Differenz zu multipliciren,um Jod zu erhalten ?

also x =

91,42 . x = 126,88,126,88

91,42

= 1,3878 *).

Ebenso wird der Chlorgehalt gefunden, wenn man die Differenz mit

35,46

91^42

= 0,3878 multiplicirt.

*) Ich will bei dieser Gelegenheit bemerken, dass in H. Roses ausführlichem Hand-buche der analytischen Chemie von 1851. Bd. II. S. 611 durch einen Druckfehlerdie Zahl 1,682 statt obiger Zahl zum gleichen Zwecke aufgenommen ist. Leiderwar das vortreffliche Werk schon ganz edirt, ehe der Druckfehler bemerkt wurde.Dass es nur ein solcher ist, geht daraus hervor, dass in der vierten Auflage von1838, Bd. II, S. 577, die richtige Zahl, nach dem damaligen Atomgewichte, steht.Ich glaube meinem verehrten Lehrer gefällig zu sein, wenn ich die Besitzer seinesWerkes zur Correctur dieses Druckfehlers auffordere, welcher für Analytiker soüberaus unangenehme Folgen haben kann, indem man bei dem richtigsten und ge-nauesten Arbeiten nur vollkommen falsche Zahlen erhalten muss.