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Fünftes Capitel. Silber.
geboten, das Füllen der Pipette unausgesetzt zu beobachten, son-dern im schlimmsten Falle hat man einige CC. Flüssigkeit ausrinnenzu lassen.
Die kleine seitliche Röhre m in Fig. 8 ist durch eine Kautschuk-röhre q mit der Vorrathsflasche in Verbindung. Die Kautschukröhre istmit einem Quetschhahne p an einer beliebigen Stelle geschlossen. Zwi-schen m und der grossen Flasche ist auch das Thermometer in eineGlasröhre eingeschlossen, an welchem die Kochsalzlösung vorbeiläuftund ihre Temperatur angiebt. Die Anordnung der Vorrathsflasche, ihreVerbindung mit dem Abflussrohr, ihr Abschluss gegen die Luft durchein Wasserventil ist alles aus der Zeichnung zur Genüge erkenntlich.
Um die Pipette zu füllen, presst man den Hahn p zusammen undkann ihn durch einen eingeklemmten Holzkeil geöffnet halten.
Die Flüssigkeit steigt in die Pipette. Man kann sie haarscharf bisan die Marke steigen lassen. Das erste Mal, wo die Röhre noch trockenist, lässt man sie darüber steigen und durch Oeffnen des Quetschhahnsn wieder sinken, damit der Meniscus der Oberfläche seine richtige Ge-stalt annehme. Man schliesst p , öffnet den Quetschhahn n und lässtdie Flüssigkeit genau bis an 0 abfliessen. Wenn die untere Spitze derPipette gehörig eingefettet war, so bleibt niemals ein Tropfen hän-gen. Die Ablesung der Höhe der Flüssigkeit in der engen Röhre ge-schieht mit einer ausserordentlichen Schärfe, und ebenso scharf ist dasVolum der Flüssigkeit abgemessen. Nun führt man die Flasche mit derSilberlösung unter die Bürette. Mit dem einmaligen ruhigen Abfliessender 100 CC. ist die Sache abgemacht und die noch nachrinnenden zweibis drei Tropfen, welche über 0 CC. steigen, bleiben unbeachtet.
Correction wegen der Temperatur.
Wegen der Ausdehnung jeder Flüssigkeit durch Erwärmen kannihr Gehalt eigentlich nur bei derjenigen Temperatur richtig sein, wobeisie gestellt ist. Ist die Flüssigkeit wärmer, so ist sie ausgedehnter undenthält in demselben Raume von 100 CC. eine kleinere Menge Koch-salz , als zur Fällung von 1 Grm. Silber nothwendig ist; umgekehrt,wenn sie kälter als die Normaltemperatur ist, so enthält sie eine grös-sere Menge. Man müsste im ersten Falle noch eine kleine Menge Flüs-sigkeit mehr, im letzteren weniger, als die 100 CC. ausfliessen lassen.Glücklicherweise ist die Ausdehnung und Zusammen Ziehung der Flüs-sigkeit, wenn man sich nicht zu weit von dem Ausgangspunkte entfernt,sehr klein, und verursacht einen unbedeutenden Fehler.
Meistens sind die Lösungen in den Münzen für 15° C. titrirt. Diefolgende Tabelle zeigt den Betrag der Correction in Tausendtein:
10° — 12° 13»—14« 15« 16» 17« 18« 19« 20« 21° 22«
-f 0,2 -f- 0,1 richtig—0,1 —0,2 —0,3—0,5—0,6—0,8—1,0
Mohr, Titrirbuch. Abthlg. 2.
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