Buch 
Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
Seite
94
JPEG-Download
 

04 Vierter Abschnitt. Fiillungsanalysen.

als ein dunkelbrauner Niederschlag, und mit der Bildung desselben ver-mindert sich die blaue Farbe der Lösung. Das vollständige Verschwin-den zeigt das Ende der Operation an. Das gebildete Schwefelkupfersetzt sich aber nicht leicht ab, und das beim Umschütteln an den Wän-den des Glases hängen bleibende ist einer so raschen Oxydation unter-worfen, dass man auf diesem Wege zu keinem sicheren Resultate kommt. <Pelouze hat deshalb auch die heisse Fällung empfohlen, wobei sichein leicht zu Boden fallender Niederschlag von der Zusammensetzung5 Cu S -)- Cu O bildet. Man sieht also, dass bei kalter und warmerFällung ungleiche Mengen Schwefelnatrium für dieselbe Menge Kupferverbraucht werden müssen, was in der That auch der Fall ist.

Als Urmaass dient dieselbe reine ammoniakalische Kupferlösung,wie bei der vorigen Methode, mit 10 Grm. Kupfer im Litre. Auf dieseFlüssigkeit wird die Schwefelnatriumlösung vorher gleichwerthig gestelltoder nur abgelesen, und der Tagestitre durch Berechnung reducirt. ZurTitrestellung lässt man 10 oder 20 CC. der ammoniakalischen Kupfer-lösung in ein klares Glas fallen, verdünnt mit Wasser, erhitzt auf derWeingeistlampe bis nahe zum Kochen und fügt nun aus der Fussbiirette jdie Schwefelnatriumlösung hinzu. Es entsteht ein viel heller gefärbterNiederschlag als bei der kalten Fällung, der sich leicht absetzt und dieFarbe der überstehenden Flüssigkeit erkennen lässt. So lange die Flüs-sigkeit gegen untergelegtes Porzellan oder weisses Papier noch blau er- ischeint, giesst man tropfenweise das Schwefelnatrium hinzu, bis die letzte 1Spur von Farbe verschwunden ist. Hiermit muss die Operation alsbeendigt angesehen werden, da sich nach einiger Zeit durch Oxydationvon Schwefelkupfer wieder die blaue Farbe einstellt. Man bemerktaber noch eine zweite Erscheinung bei dieser Operation, nämlich dasEntstehen eines braunen Niederschlages in der überstehenden Flüssig-keit an der Stelle des einfallenden Tropfens. Die Kupferfarbe der Flüs-sigkeit ist aber schon verschwunden, wenn der braune Niederschlagdurch ferneren Zusatz von Schwefelnatrium noch gebildet wird. Diesbeweist, dass sich Kupferoxydulsalz gebildet hat, was auch schon durchPelouze gefunden worden ist.

Diese Methode ist auf vielen Kupferhütten in alleiniger Anwendung,obgleich nicht zu läugnen ist, dass sie sowohl in der Ausführung als inder Beurtheilung grosse Schwierigkeiten darbietet. Der grösste Einwurfgegen dieselbe ist die verschiedenartige Fällung des Kupfers je nachder Temperatur der Flüssigkeit. Eine Kupferlösung, welche in derWärme zum vollständigen Verschwinden der blauen Farbe 10 CC.Schwefelnatriumlösung gebrauchte, war in der Kälte durch 13 CC. eben (entfärbt, gab aber noch braune Fällung, welche erst bei 16 CC. aufhörte.

Nach einigen Minuten bildete sich aber auch wieder der braune Nieder-schlag. Dieser bekleidet den Boden des Glases häufig mit einer fest-haftenden Schicht, welche das Durchsehen der weissen Unterlage er-schwert und aueh nachher mit Salpetersäure entfernt werden muss. Ver-